Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/338/
1462 
G. Störring 
in den intellektuellen Unterlagen derselben. 
Bei einer zweiten Gruppe ist die Verknüpfung der Ge- 
fühlszustände durch diese selbst bedingt. 
I. Wir fassen zunächst die erste Gruppe ins Auge, bei der 
die Verknüpfung der Gefühlszustände durch die intellek¬ 
tuellen Unterlagen bedingt ist. 
Die Verknüpfung der Gefühlszustände durch die intellektuellen 
Unterlagen kommt einmal so zustande, daß dieselbe intellek¬ 
tuelle Unterlage verschiedene Gefühlszustände auslöst oder so, 
daß verschiedene intellektuelle Unterlagen, welche in inniger 
assoziativer oder in partieller Identitätsbeziehung zueinander stehen, 
verschiedene Gefühlszustände auslösen. 
1. Wo dieselbe intellektuelle Unterlage verschiedene 
Gefühlszustände auslöst, geschieht das einmal so, daß ursprüng¬ 
liche Gefühlszustände durch verschiedene Eigen¬ 
schaften der intellektuellen Unterlage unmittelbar ausgelöst 
werden oder so, daß ursprüngliche Gefühlszustände einer und 
derselben intellektuellen Unterlage mit reproduzierten Gefühls - 
zuständen verschmelzen. 
Die Verschmelzung von verschiedenen ursprünglichen Gefühls- 
zuständen, welche von derselben intellektuellen Unterlage her¬ 
rühren, ist z. B. in einfacher Weise da gegeben, wo wir es mit einem 
polychromen Ornament zu tun haben. Da lösen einmal 
die Formen des Ornamentes Gefühlszustände aus und sodann 
lösen die Farben und Farbenzusammenstellungen Gefühlszustände 
aus, und diese verschmelzen miteinander. 
Da die intellektuelle Unterlage des poly¬ 
chromen Ornamentes mit seiner Verbindung 
von Formen und Farben eine Einheit bildet, 
so gehen auch die ausgelösten Gef ühl s z us t ä n d e 
eine nahe Verbindung ein. — 
Fassen wir sodann die Fälle ins Auge, wo ursprüngliche 
Gefühlszustände einer und derselben intel¬ 
lektuellen Unterlage mit reproduzierten und 
die reproduzierten Gefühlszustände unter¬ 
einanderverschmelzen. Diese Fälle sind nicht so schnell 
zu erledigen. 
Hierher gehört die Übertragung von Gefühls¬ 
zuständen bei einem intellektuellen Tatbestand, der schon 
primär mit ausgeprägtem Gefühlszustand sich verband. Ich habe 
etwa in einem schön gelegenen Schweizerdorf wiederholt inter¬ 
essante wissenschaftliche Gespräche mit einem Freunde gehabt. 
Wenn ich später den Ort wieder erblicke, so mag ich etwa nicht 
sogleich an diese Gespräche denken; die Schönheit des Ortes hat 
für mich aber eine besondere Färbung erhalten, gewissermaßen
        

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