Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/322/
1446 
G-. Störring 
gefühl sich stärker anspräge. Sie wähle dieses Entgegensetzen, weil 
sie daran Erende habe. ,,Aber es ist nicht der G-rund, dieses Frei¬ 
heitsgefühl zn betonen, sondern nm dieses Freiheitsgefühl mehr 
ans wirken zn lassen, deshalb wähle ich M. I“1). Also die Frende ist 
nicht letzter Zweck der Wahl, sondern die stärkere Ausgestaltung 
des Freiheitsgefühles, die Frende ist aber eine der Mitnrsachen. 
Die Frende spielt hier dieselbe Folie, wie wir das schon 
früher einmal sahen : sie löst die Betätigung des 
von vornherein als frei gedachten Ichs ans. 
Das eingreifende Ich setzt frei ans sich heraus einen Impuls, der 
sich dann kausal notwendig ans wir kt. 
Es treten uns hier zwei verschiedene Formen 
des indeterministischen Ichbewußtseins ent¬ 
gegen. Das eine entwickelt sich dadurch, daß 
hier eine Betätigung des von. vornherein als 
indeterministisch frei gedachten Ichs ans¬ 
gelöst wird. 
Die andere Form des indeterministischen 
Ichbewußtseins besteht in dem Bewußtsein, 
das eine oder das andere (hier das Entgegensetzen 
oder das Bachgeben) wählen zu können. 
Die zweite Form des indeterministischem Freiheitsbewußtseins 
ist uns bei den verschiedenen Arten des Eingreifens des Ichwillens 
entgegengetreten, sowohl bei Gleichwertigkeit der Willensantriebe 
als beim Entgegensetzen und beim Bachgeben (für sich allein). 
Wo z. B. ein Entgegensetzen mit indeterministischem Freiheits¬ 
bewußtsein erfolgte, da trat meist nicht nur das Bewußtsein auf, 
daß das Eingreifen des Ichs von der Persönlichkeit indeterministisch 
gesetzt werde, sondern auch das Bewußtsein, daß auch etwas 
anderes als das Entgegensetzen hätte gewählt werden können. 
Diese zweite Form des indeterministischen Freiheitsbewußt¬ 
seins ist im Falle unseres Versuches eigenartig bedingt. Gewöhnlich 
tritt diese Form des Freiheitsbewußtseins auf Grund von früher 
vollzogenen Bückblicken auf eine im Leben getroffene wichtige 
Entscheidung auf. Solche Bückblicke führen das Individuum 
illusionär2) zu der Auffassung, daß es auch eine andere Wahl¬ 
möglichkeit hätte realisieren können. 
Hier in unserem Versuch handelt es sich aber offenbar nicht 
um ein bloßes ,,W issen” um die indeterministische Freiheit, 
welches sich auf frühere Bückblicke u. dgl. stützt, hier spricht die 
Versuchsperson nicht umsonst anstatt von Freiheitsbewußtsein 
1) Arch. f. d. ges. Psychol. 74. S. 63. 
2) Störring : Die sittlichen Forderungen und die Frage ihrer Gültigkeit. 
S. 126 ff.
        

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