Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/315/
Methoden der Psychologie des G-efühlslebens 
1439 
indeterministisch frei gedacht, sondern als „impulsiv aus dem 
Drang, etwas Interessantes zu erleben”, entstanden. 
Auch diese Versuchsperson erwies sich bei der am Schlüsse 
der Versuche angestellten Exploration als deterministisch ein¬ 
gestellt. 
Die in dem zu vorletzt besprochenen Versuch sich betätigende 
Versuchsperson M. sagt in einem anderen Versuch: „Die Ent¬ 
scheidung will ich aus dem Innersten treffen, 
aus tiefster Erwägung, nicht sinnlos. Es kommt aus 
meinem Geistigen, sich noch über dem Ganzen 
stehend fühlen1).” 
Bei den anderen Arten des mit Ereiheitsbewußtsein sich ver¬ 
bindenden Ich willens zur Entscheidung, beim „Entgegensetzen” 
und „Uachgeben”, wird sich uns auch der Unterschied zwischen 
einem indeterministischen und deterministischen Freiheitsbewußt¬ 
sein zeigen. 
Den Umstand, daß wir bei den Versuchen, wo indetermini¬ 
stisches Freiheitsbewußtsein auf tritt, auch zuweilen sagen hören: 
„es steht mir frei die eine oder die andere Möglichkeit zu wählen”, 
wollen wir später näher besprechen. 
2. Freiheitsbewußtsein bei dem auf ein Sichentgegensetzen gegen 
peripher bedingten Drang beruhenden Willen zur Entscheidung. 
Früher2) habe ich über einen Versuch referiert, in welchem 
die Versuchsperson eine Beaktion vollzog, die ihr Überwindung 
kostete, weil es ihr Freude machte, daß sie es vermag, gerade das 
Gegenteil von dem zu tun, wohin der peripher bedingte Drang wies. 
Sie freut sich über die Freiheit dieses sich dem peripher bedingten 
Drang widersetzenden Entschlusses noch während der Ausführung, 
Die Aussagen des Versuches waren so, daß es sich um ein 
deterministisches Bewußtsein der Freiheit des Entschlusses zu 
handeln schien, also um ein durch das Entgegensetzen gegen die 
drängenden „Motive” sich entwickelndes Bewußtsein der abso¬ 
luten offensichtlichen Unabhängigkeit des 
Ichentschlusses von dem Drang der peripher bedingten Willens¬ 
antriebe. 
Die betreffende Versuchsperson (Versuchsperson L.) erwies 
sich nach Abschluß der Versuche als ursprünglich in deterministisch 
eingestellt. Im Laufe der Versuche aber hat sie ihre Stellungnahme 
zur Frage der Freiheit des Willens geändert, ist Determinist ge¬ 
worden. • 
1) Arch. f. d. ges. Psychol. 74. S. 71 
2) Diese Schrift. S. 1432.
        

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