Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/311/
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens 
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fühlte mich aber sofort abhängig bei dem 
Gedanken, jenem nachzugeben, also nicht 
frei in der Wahl1).” 
Yersnchsperson M. 10: ,,Ich habe nicht das Bewußtsein 
gehabt, daß das eine freie Wahl war, habe mich von den 
M. bestimmen lassen. Sympathie für die Aufgabe lag 
in der Art der Aufgabe. In diesem Sinne kann man nicht von einer 
Freiheit sprechen.” 
Während in dem zuerst dargebotenen Fall von Erleben des 
Gezwungenseins wenigstens noch ein Ansatz zu einer Reaktion 
der Persönlichkeit vorhanden war, dessen Entwicklung dann aber 
gehemmt wurde, finden wir hier ein reines Bestimmt werden durch 
das, was früher eine der Versuchspersonen objektiv gegebene 
Tatbestände im Gegensatz zur freien Betätigung des diese objektiv 
gegebenen Tatbestände zum Gegenstand der Betrachtung machen¬ 
den Ich willens nannte — was man besser peripherbedingte 
emotionelle Stellungnahme nennen könnte2). 
Hier ist der emotionelle Drang zur Realisierung einer be¬ 
stimmten Wahlmöglichkeit so stark, daß eine zentrale Ichbetrach- 
tung und -betätigung dagegen nicht aufkommt, 
Wir geben noch einen Versuch, in welchem nicht der Drang 
zur Realisierung einer bestimmten Wahlmöglichkeit zu stark 
ist, sondern wo der allgemeine Drang, etwas zu tun, 
die zentrale Stellungnahme gegenüber der 
peripheren nicht aufkommen läßt. 
Versuchsperson A. 14: ,,Ieh überdachte beide M. und fand, 
daß sie gleichwertig waren in bezug auf Interessantes, also stand 
ich klar vor der Wahl zwischen gleichwertigen Bewegungen. Dieses 
hatte zur Folge, daß ich im Moment nicht wußte, was ich tun 
sollte. Dieses Dilemma kam mir als toter Punkt vor, und der 
Drang, etwas zu tun bzw. der Wunsch, aus dem konfusen 
Gedankengewirr herauszukommen, ließ mich zur Ausführung des 
ersten Befehles kommen, der sich mir gewaltsam als Gehörtes 
und Erlösendes auf drängte. Ich kann also von einem unbedingten 
Willen nicht sprechen 3).” 
Bevor ich zur genaueren Behandlung der verschiedenen Arten 
der Betätigung des freien Ichwillens übergehe, will ich noch eine 
Bestimmung über A b h ä n g i g k eit der verschiedenen 
Klarheit des Bewußtseins der Freiheit des Willens machen. 
Eine Verstärkung des Drängens der ,,Motive”, d. h. der 
peripher bedingten Willensantriebe führt eine Steigerung der Aus- 
x) Arch. f. d. ges. Psychol. 74. S. 52. 
2) Arch. f. d. ges. Psychol. 74. S. 53. 
3) Arch. f. d. ges. Psychol. 74. S. 51. ..... ;
        

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