Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/299/
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens 
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Bei schwacher Sitiiationsiinlnst ist eine 
Herabminderung der Aktivität gegeben. Es 
tritt dann das Mindestmaß von Leistung, die Tasterreaktion, ein. 
Bei starker Situationsunlust findet man 
Steigerung der Aktivität. Dieselbe äußert sich ent¬ 
weder in einer maximalen Beaktion, oder der Drang zu reagieren 
wird so stark, daß diejenige Wahlmöglichkeit realisiert wird, die 
gerade vorgestellt wird, so daß die Versuchsperson bei Realisierung 
eines bestimmten Zuges die Aussage macht, wenn in dem Moment 
des intensiven Dranges zu reagieren gerade der Gedanke einer 
anderen Möglichkeit aufgetaucht wäre, so würde diese gewählt 
worden sein. 
Hier bei dieser starken Situationsunlust 
kann man nicht umhin, von einer Entladung 
von Unlustenergien zu sprechen. 
Wenn Trouet sagt, daß bei den Situationsgefühlen eine Wahl 
und damit eine Entscheidung für eine bestimmte Möglichkeit nicht 
zustande kommt, so ist das nicht ganz richtig. Bei starker Situations¬ 
unlust ist allerdings die Wahlfunktion sehr stark gehemmt, offenbar 
durch derivative Hemmung und zugleich durch die Tendenz, 
möglichst bald eine Entladung herbeizuführen. Aber bei schwacher 
Situationsunlust wird doch die Tasterreaktion gewählt ! 
Skawran hat schon darauf aufmerksam gemacht, daß es merk¬ 
würdig ist, daß bei schwacher Situationsuolust eine Herabminderung 
der Aktivität auftritt, bei starker aber eine Steigerung der Aktivität. 
Skawran sucht sich das so verständlich zu machen, daß er 
sagt, die Situationsgefühle stoßen auf verschiedene Stimmungen. 
Wo sie auf eine müde und eine depressive Stimmung stoßen, da 
entsteht schwache Situationsunlust mit Herabminderung der 
Aktivität, wo keine müde oder depressive Stimmung vorliegt, ent¬ 
steht beim Schwanken eine Situationsunlust mit gesteigerter 
Aktivität. Er sagt: ,,Einmal wird durch das Schwanken eine 
Steigerung der Aktivität hervorgerufen, das andere Mal eine 
Herabminderung derselben. Es muß also irgendwie eine Ver¬ 
schiedenheit in der psychischen Beschaffenheit, in der psychischen 
Situation, in der psychischen Empfänglichkeit der Versuchsperson 
vorhanden sein, auf die das Schwanken und überhaupt die ganze 
Situation einwirkt. Es muß, um mit anderen Worten zu reden, 
schon eine verschiedene latente Stimmung bei den Versuchspersonen 
vorhanden sein1).” 
In einzelnen Fällen gelingt es Skawran auch, eine müde oder 
depressive Stimmung nachzuweisen. Die Behauptung des Vor¬ 
handenseins einer müden oder depressiven Stimmung bei allen 
1) Skawran: 1. c. S. 135.
        

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