Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/270/
1394 
G. Störring 
Straßburg ebenfalls Versuche angestellt, welche die in Rede stehen¬ 
den Behauptungen von Martins prüften und zu einem verneinenden 
Resultat führten. Diese Versuche waren ans äußeren Gründen 
aber nicht zur Veröffentlichung gekommen. 
Da in den Versuchen von Werner Amsler eine viel empfind¬ 
lichere graphische Registrierung vorgenommen war als bei den 
Küpperssehen Versuchen — leichte Armbewegungen führten zur 
Bewegung eines Spiegelchens, dessen Bewegungen in der bekannten 
Poggendorf sehen Weise abgelesen wurden — so ließ ich später 
noch einmal eine Prüfung der Martins sehen Behauptungen durch 
Angnst Ernst vornehmen. 
Derselbe beschreibt seine Yersuchsanordnnng in folgender Weise: „Es 
wurde auf dem aus der Plethysmographenröhre herausragenden Teil des Unter¬ 
armes der Versuchsperson ein starker und unnachgiebiger Faden mittels Leukoplast 
(auf Kretonne) haltbar gemacht, dieser Faden in einmaliger Windung um ein 
auf einem Nebentisch — die ganze Kontrollversuchseinrichtung war seitwärts 
hinter der Versuchsperson aufgebaut — in Höhe der Ausgangsstelle des Fadens 
angebrachtes und um eine vertikale Achse drehbare Holle geleitet und unter¬ 
wärts dieser durch ein geeignetes Gewicht beschwert. Das Rädchen trug auf 
einem senkrecht zu ihm stehenden Stift ein kleines, im Durchmesser 1 cm großes 
Spiegelchen so fisiert, daß das Rädchen sich bewegte durch (positiven oder 
negativen) Zug des Fadens infolge einer Bewegung des Armes, das Spiegelchen 
die Wendung in gleicher Stärke mitmachte. In einer Entfernung von zirka 1 m 
war dem Spiegelchen eine grell beleuchtete Skala, wie man sie für eben diese 
Zwecke kennt — die mit fortlaufenden Ziffern versehenen Hauptteilstriche der 
Skala wiesen eine Distanz auf von zirka 1 cm, die Zwischenteilstriche eine solche 
von 1mm bei einer Gesamtskalenlänge von 1*5m—• so gegenübergestellt, daß 
man mittels eines über der Skala angebrachten und auf das Spiegelchen ein¬ 
gestellten Fernrohres eine bestimmte Ziffer der Skala im Spiegelchen erblickte.” 
Angnst Ernst nahm dabei plethysmographische Kurven anf 
mit Lust- und Unlustgefühlen, mit Schreckreizen, mit Aufmerksam¬ 
keitsspannung, mit psychischer Tätigkeit (Rechnen), mit Aus¬ 
führung bestimmter aktiver Bewegungsvorgänge nach Weber 
(Anpressen der Zunge an die fest geschlossenen Zähne u. dgl.) und 
mit willkürlich forcierter Atmung. 
Er fand, daß die Behauptungen von Küppers über die Be¬ 
ziehung von Armbewegungen bei der Atmung zu den Atmungs¬ 
wellen der plethysmographischen Kurve nicht zu Recht bestehen. 
Auch bei forcierter Atmung sind die so entstehenden Arm¬ 
bewegungen so gering, daß sie für Entstehung der Atmungs¬ 
wellen nicht in Betracht kommen können1). 
A. Ernst konnte bei seiner feineren Registriermethode zwar 
im Gegensatz zu Küppers Armbewegungen auch bei 
Erzeugungvon Gefühlszuständen feststellen, 
die nicht Schreckzustände sind, aber diese Arm¬ 
bewegungen waren so fein, daß sie nicht als die Ausschläge der 
1) August Ernst: Die Frage der plethysmographisch en Erscheinungen. 
Arch. f. d. ges. Psychol. 50. H. 1/2 (192b).
        

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