Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/263/
Methoden der Psychologie des G-efühlslebens 
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zustand, der sich an das Anffassen des Wortes ,,'Wiedersehen” an¬ 
schließt. Derselbe wird dahin analysiert, daß sich eine lustgefärbte 
und eine unlustgefärbte Komponente mit beklemmendem Charakter 
findet. Dann tritt die Erinnerung an einen konkreten Fall des 
Wiedersehens eines Freundes auf, wobei sich ebenfalls wider- 
streitende Gefühle entwickeln, die Versuchsperson analysierend 
aus dem Gefühlskomplex heraushebt. Die Analyse der 
Wiedersehensgefühle in diesen beiden Fällen 
wirkt offenbar begünstigend auf die stärkere 
Entwicklung der Komponenten des Wieder¬ 
seh e n s g e f ü h 1 s in dem uns in letzter Linie 
interessierenden Fall. 
Sodann tritt der Gedanke an ein wahrscheinliches Wieder¬ 
sehen bezüglich der ,,Italia’5 auf. 
Als intellektuelle Unterlagen für Ent¬ 
wicklung des Gefühlszustandes beim Wieder¬ 
sehen sind zunächst gegeben die Eealitäts- 
urteile, daß die Leute wahrscheinlich aufgefunden werden und 
daß deshalb ein Wiedersehen zu erwarten ist. Auf Grund 
dieser B ealitätsurteile findet nun ein 
Hinein y ersetzen in die Situation beim 
Wiedersehen statt, und zwar mit Entwick¬ 
lung starker Erregungsgefühle. In diesen 
finden sich außer der Erregung Lustgefühle. 
Letztere haben als intellektuelle Unter¬ 
lagen einmal die Fiktion, Versuchsperson 
sei Zuschauer eines solchen Wiedersehens 
und sodann die Fiktion, Versuchsperson sei 
ein Mitbeteiligter. Dabei steht im Hintergründe des Be¬ 
wußtseins der Gedanke der Abhängigkeit des Menschenschicksals 
von mechanischen Gesetzmäßigkeiten. Der fiktive Cha¬ 
rakter jener Annahme verschwindet bei Ver¬ 
suchsperson aber bald wie Schnee vor der 
Sonne. Es entwickeln sich Gefühlszustände von solcher Inten¬ 
sität, daß Versuchsperson der übergroßen Gefühlsintehsität wegen 
den Versuch abbricht! 
Wie ist die Aufhebung dieser Fiktionen bedingt? E s 
kommt zunächst zu einer außerordentlichen 
Steigerung der entsprechenden Gefühls¬ 
zustände. Wie diese Steigerung bedingt ist, 
haben wir, in der voraufgehenden Entwick¬ 
lung näher im allgemeinen untersucht. Die 
übermäßig starken Gefühlszustände s Atz ten 
nun eine derivative Hemmung für :d i e Auf¬ 
fassung der vorgestellten Situation als
        

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