Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/2/
1126 
G-. Störring 
wie sich zeigen wird, Feststellungen über Tatsachen ans dem 
Gebiete des Gefühlslebens, die in eindeutiger Weise sich mit einer 
durch experimentellen Betrieb geläuterten Selbstbeobachtung er¬ 
geben. 
Wir wollen jetzt dazu schreiten, eine allgemeine Charak¬ 
teristik der pathopsychologischen Methoden zu geben. Es handelt 
sich also um diejenigen Methoden, welche psychopathologische 
Tatbestände zu Schlüssen für die normale Psychologie verwerten. 
Das krankhafte Seelenleben wird eben von denselben Gesetz¬ 
mäßigkeiten beherrscht wie das normale Seelenleben. Verändert 
sind, wenn man absieht von pathologischen Beizungszuständen 
der Hirnrinde, welche das psychische Leben zerreißen, die kom¬ 
plexen Bewußtseinsinhalte, welche dann ein differentes Geschehen 
bedingen. 
Psychologie und Psychopathologie stehen in Wechselwirkung 
zueinander. Die meisten psychopathologischen Fälle sind weit 
mehr der Beihilfe der Psychologie zur Erklärung derselben be¬ 
dürftig, als daß sie für die normale Psychologie verwertet werden 
könnten. Für die normale Psychologie verwert¬ 
bar sind solche Fälle, die sich ans ehe n lassen 
als Experimente der Natur. Sie erweisen sich als 
förderlich für die psychologische Analyse und für die Fest¬ 
stellung von psychologischen Abhängig¬ 
keitsbeziehungen. 
Die Analyse wird durch die psychopathologischen Tatbestände 
z. B. gefördert auf dem Gebiete des Ichbewußtseins. 
Hier liegen für den Selbstbeobachtungspsychologen große Schwierig¬ 
keiten vor, weil hier dunkelbewußte Größen eine beträchtliche 
Bolle spielen. Dazu ist das Ichbewußtsein der experimentellen 
Untersuchung noch nicht unterworfen. Auch für diese stellt die 
Mitwirkung von dunkelbewußten Tatbeständen eine große Schwierig¬ 
keit dar. Durch Fälle krankhaften Seelenlebens ist aber die Analyse 
in der schönsten Weise gefördert. Es stellt sich dabei heraus, daß 
das Ichbewußtsein, so einheitlich es auch ist, keine 
einfache Größe ist, sondern eine komplexe. Die einzelnen 
Komponenten des Ichbewußtseins lassen sich 
bei isolierter Störung derselben erkennen. Eine dieser Kom¬ 
ponenten ist die Empfindung des eigenen Leibes, 
deren Aufhebung oder stärkere Änderung das Ichbewußtsein 
alteriert. Auch bei höherer Entwicklung des Ichbewußtseins ist 
sie noch eine Komponente desselben. — 
Was die Feststellung von Abhängigkeits¬ 
beziehungen betrifft, welche durch Verwertung des psycho¬ 
pathologischen Materials erzielt wird, so muß man hier zwei Wege 
der Untersuchung unterscheiden : den Weg von der Ur-
        

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