Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/183/
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens 
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zustande sich entwickelt haben, nnr daß hier nicht die Bedin¬ 
gung erfüllt zu werden braucht, daß die Dispositionen sich auf 
emotionelle Erlebnisse beziehen, welche sich noch im Zustande 
erleichterter Reproduzierbarkeit befinden. 
Die Frage, an welcher Stelle man hier hypothetisch ein Un¬ 
bewußt-Seelisches ansetzen könnte, beantwortet sich in ganz 
analoger Weise wie bei Betrachtung der wissenschaftlichen Pro¬ 
duktion. Als Unbewußt-Seelisches lassen sich hier nur die bezeich- 
neten Dispositionen ansetzen. 
14. Kapitel. 
Das „überpersönliehe” Unbewußte. 
Jung unterscheidet zwei Schichten des Unbewußten: das 
persönliche Unbewußte und das überpersönliche Unbewußte. Das 
überpersönliche oder kollektive Unbewußte wird so genannt, weil 
es in allen Menschen vorhanden ist. 
Dies überpersönliche Unbewußte besteht in einer ,,Hirn¬ 
struktur ererbter Möglichkeiten des Vorstellens” 1). Es wird von 
Jung betont, daß er dabei nicht eine Vererbung von Vorstellungen 
annimmt, sondern eine „Vererbung der Möglichkeit des Vor- 
stellens”. 
Kur bei Annahme eines solchen vererbten Tatbestandes soll 
man sich verständlich machen können, daß gewisse Sagenstoffe und 
Motive auf der ganzen Erde in identischen Formen auftretenund daß 
von gewissen Geisteskranken dieselben Bilder und Gedanken¬ 
gänge reproduziert werden wie in jenen Sagenstoffen. 
Diese vererbten Möglichkeiten menschlichen Vorstellens nennt 
Jung allgemeinmenschliche „urtümliche Bilder” oder 
„Archetypen” oder auch „Dominanten des kollek¬ 
tiven Unbewußte n”. 
Es werden sodann noch nähere Bestimmungen über 
diese vererbten Tatbestände gemacht: 
Sie sind „ebensowohl Gefühl als Gedank e”. 
Sie haben sogar „etwas wie ein eigenes, selbständiges 
Leben, etwa wie das von Partialseele n” 2). 
Es wird sodann von ihnen gesagt, daß sie die ältesten „a 11- 
gemeinsten und tiefsten Gedanken der 
Menschheit” sind, „ohne welche der Mensch aufhört, Mensch 
zu sein”. 
Zu diesen Gedanken der Menschheit gehört auch die Idee 
eines göttlichenWesens. „Die Idee eines übermächtigen, 
x) Jung: Der Unbewußte im normalen und kranken Seelenleben. S. 75. 
2) Jung: 1. c. S. 97.
        

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