Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/166/
1290 
G. Störring 
unbewußt ist. Sie kann also in den betreffen¬ 
den Fällen nicht als can sa vera der Angst 
auf gewiesen werden; sie kann nur als im 
Unterbewußten sich vollziehend angenommen 
werden. Das ist aber eine causa ficta schlimmster 
Sorte. 
Wenn jemand gegen starken Kaffee sensibel ist und dann 
am späten Abend gegen seine Gewohnheit eine größere Quantität 
starken Kaffees zu sich nimmt, so mag er starkes Angstträumen 
haben. Er wird sich dann aber nicht so leicht einreden lassen, 
daß hinter diesen Angstträumen Wünsche versteckt seien, ge¬ 
schweige denn sexuelle Wünsche; die Genesis dieser Angstträume 
liegt doch klar zutage ! 
Selbst Bleuler, der doch Freud in weitgehendster Weise in 
Schutz nimmt1), sagt, er wisse nicht, weshalb das Unbewußte 
nur wünschen, nicht auch abweisen oder fürchten solle. 
13. Kapitel. 
Das persönliche Unbewußte und Unterbewußte. 
Das Doppelbewußtsein. 
Yom Unbewußten und Unterbewußten wird in verschiedenem 
Sinne gesprochen. Man hat besonders bei Deutung der Doppel¬ 
bewußtseinszustände geglaubt, ein Oberbewußtsein von einem 
Unterbewußtsein scheiden zu müssen, wobei als Oberbewußtsein 
ein Bewußtsein bezeichnet wird, von welchem wir wissen, vom 
Unterbewußtsein gesprochen wird im Sinne von einem psychischen 
Geschehen in der Art des im Bewußtsein verlaufenden Geschehens 
(intellektueller, willens mäßiger Vorgänge), die nicht vom Bewußt¬ 
sein begleitet sind. 
Es ist zu beachten, daß in psychologischen Entwicklungen 
der Terminus „unterbewußt” zuweilen in ganz anderem Sinne ge¬ 
braucht wird, nämlich im Sinne von dunkelbewußt. Es 
ist natürlich geboten, hier eine scharfe Scheidung zu machen: 
das sind ja eminent verschiedene Tatbestände. 
Der Terminus „unbewußt” wird in psychologischen 
Entwicklungen ebenfalls in verschiedenem Sinne genommen. Man 
spricht in psychologischen Entwicklungen einmal von unbewußten 
Größen im Sinne von psychischem Geschehen nach Art des im 
Bewußtsein ablaufenden Geschehens, von dem wir nichts wissen 
(was ohne Bewußtsein verläuft) — also im Sinne des dem Ober¬ 
bewußtsein gegenübergestellten „Unterbewußtseins”. 
x) Bleuler: Die Psychoanalyse Freuds in Zeitschr. f. Psychoanal. 2.
        

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