Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/159/
Methoden der Psychologie des G-efühlslebens 
1283 
kann es sich im manifesten Tranminhalt nm „Anspielungen” 
anf den latenten Tranminhalt handeln; es handelt sich sodann im 
manifesten Tranminhalte nm eine „V ersinnbildlich u n g” 
nnd zuletzt können „Symbole” eine dominierende Eolle 
spielen. 
Bezüglich der symbolischen Deutung des Traumes 
wird gesagt, daß der Träumer „meist nicht einmal Lust hat, 
den Vergleich anzuerkennen1).” 
Unter den Symbolen spielen nach Freud die Hauptrolle die 
Sexualsymbole. In allen Träumen spielt nach Freud in 
irgendeiner Weise das Sexuelle eine Bolle. Dabei wird allerdings 
der Begriff des Sexuellen in ungewöhnlich weitem Sinne gefaßt. 
Er versteht darunter außer dem Trieb, der sich auf Fortpflanzung 
bezieht, das, was er „Organlust” nennt, die Lust, die mit 
dem Lutschen des Kindes, mit der Berührung nackter menschlicher 
Körper, mit der Analfunktion usw. gegeben ist. Kritisch werden 
wir uns die Betonung des Sexuellen bei Freud näher da ansehen, 
wo wir die sogenannte Sublimierung der Gefühlszustände 
behandeln. 
Den Sexualsymbolen widmet Freud sehr ausführliche Ent¬ 
wicklungen2). 
Die übrigen bei Übersetzung des latenten Trauminhaltes in 
den manifesten zur Geltung kommenden Symbole charakterisiert 
er in folgender Weise: „Es kommt im Traume vor, daß man bald 
lustvoll, bald ängstlich von Häuserfassaden herabklettert. 
Die mit ganz glatten Mauern sind Männer; die aber mit Vor¬ 
sprüngen und Baikonen versehen sind, an. welchen man sich an- 
halten kann, sind Frauen. Die Eltern erscheinen im Traume als 
Kaiser und Kaiserin, König und Königin oder als 
andere Bespektspersonen; der Traum ist also hier sehr pietätvoll. 
Minder zärtlich verfährt er gegen Kinder und Geschwister; diese 
werden als kleine Tiere, Ungeziefer symbolisiert. Die 
Geburt findet fast stets eine Darstellung durch eine Beziehung 
zum Wasser; entweder man stürzt ins Wasser oder man steigt 
aus ihm heraus, man rettet eine Person aus dem Wasser oder 
wird von ihr gerettet, d. h. man hat eine mütterliche Beziehung 
zu ihr. Das Sterben wird im Traum durch Abreisen, mit 
der Eisenbahn fahren ersetzt, das Totsein durch ver¬ 
schiedene dunkle, wie zaghafte Andeutungen, die Nacktheit durch 
Kleider und Uniformen 3).” 
1) Freud: 1. c. S. 164. 
2) Freud: 1. c. S. 166. 
3) Freud: 1. c. S. 165.
        

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