Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/150/
1274 
G. Störring 
dann zu, daß sie mit der Heirat sehr nnznfrieden war nnd den 
Mann dieser Freundin nicht leiden konnte.” 
Hier macht es sich Freud mit der Verifikation offenbar zu 
leicht. In diesem Fall ergibt sich jedenfalls „aus der psychischen 
Situation”, daß beim Gedanken an die betreffenden Personen 
TTnlustgefiihle stärkerer Intensität vorhanden sind. Diese sind 
hier causa vera, denn sie sind als Tatsache anznsehen nnd sie 
sind nach unseren früheren Entwicklungen in der Richtung der 
Hemmung der Kamenreproduktion wirksam. Aus der gegebenen 
„psychischen Situation“ heraus ergibt sich aber keineswegs mit 
Sicherheit das Wirken einer verdrängten Absicht. 
Daß Freud sich der hier vorliegenden Schwierigkeiten nicht 
klar bewußt gewesen ist, sieht man auch daraus, daß er nach seinen 
Untersuchungen über die Rolle der „Intentionen” bei Fehlleistungen 
der Klasse I und II und seiner sehr anfechtbaren Diskussion über 
die Fälle von Klasse III sich zu folgender Stellungnahme aufzu¬ 
schwingen imstande ist: „Sie können an diesem Bei¬ 
spiel (der Behandlung der Fehlleistungen) 
ersehen, welches die Absichten unserer 
Psychologie sind. Wir wollen die Erschei¬ 
nungen nicht bloß beschreiben und klassi¬ 
fizieren, sondern sie als Anzeichen eines 
Kräftespie1es in der Seele begreifen als 
Äußerung von zielstrebigen Tendenzen, die 
zusammen oder gegeneinander arbeiten. 
Wir bemühen uns um eine dynamische Auf¬ 
fassung der seelischen Erscheinungen. Die 
wahrgenommenen Phänomene müssen in unserer Auffassung 
gegen die nur angenommenen Strebungen zurücktreten.“ 
Hier ist die Auffassung sehr nahe gelegt, daß Freud in letzter 
Linie die Absicht hat, den Versuch zu machen, ob sich 
nicht das psychische Geschehen als ein sinn¬ 
volles Geschehen konstruktiv deuten lasse, 
und zwar nicht bloß das psychische Ge¬ 
schehen in Urteilen und Willensakten, son¬ 
dern alles psychische Geschehen, auch ein 
von ihm angenommenes unbewußtes! Diese 
unsere mißtrauische Vermutung wollen wir im folgenden nicht 
ganz aus den Augen verlieren. 
12. Kapitel. 
Psychoanalyse der Träume. 
Freud macht bei Behandlung der Psychoanalyse des Traumes 
zwei Voraussetzungen. Einmal setzt er voraus, daß die Träume 
sinnvoll sind. „W ir arbeiten also unter der Vor-
        

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