Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/141/
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens 
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zu klagen. Sie klagte darüber, der Kopf sei ihr in der Stirngegend 
wie starr geworden. Die Patientin blieb zwar wie früher sehr 
gescheit, konnte anch ihre Schnlanfgaben gnt lösen, wnrde aber 
schweigsam, still nnd in sich geschlossen. Dazu kamen fortwährende 
Klagen über Kopfschmerzen nnd Appetitlosigkeit; ihre Stimmung 
wnrde gedrückt nnd meistens schläfrig. Bei einem derartigen 
schläfrigen instand bekam sie eines Tages einen heftigen Angst¬ 
anfall. Dieser Anfall blieb zwar zunächst vereinzelt, doch im 
folgenden Winter wiederholte er sich. Als sie dann von ihren Ver¬ 
wandten zwecks Ärztekonsnltation nach Sofia gebracht wnrde, 
wiederholte sich der Anfall im Zuge. Patientin schrie laut nnd 
jammerte: ,,Schwester, der Hund, o der Hund!” Fieber trat dabei 
nicht auf. Mach dem Anfall konnte sich Patientin an nichts mehr 
erinnern nnd wunderte sich, warum sie geweint hatte. 
Status praesens : .... In den inneren Organen sind keine 
Abweichungen vom Normalen vorhanden .... 
Wir brachten die Patientin in die übliche Lage und schlossen 
ihr die Augen durch leichten Händedruck auf die Lider. Nach 
vier Minuten begann Patientin schwer zu atmen, das Gesicht wird 
blaß, Tränen treten in die Augen, sie fängt an laut zu schreien, zu 
rufen, zu bellen. Diese Erscheinungen dauern ungefähr eine halbe 
Stunde; währenddem fühlt sie keine Stiche, die ihr beigebracht 
werden, beantwortet nicht die an sie gestellten Fragen, scheint 
nicht einmal die Stimme des Arztes zu hören. Offenbar ist Patientin 
von der äußeren Welt völlig abgetrennt und im Zustande einer 
vollen Introjektion. Wir machen den Versuch, ihr die Augen zu 
öffnen, jedoch fallen die Lider sofort wieder zu. Die Augäpfel 
sind nach oben gerollt. Trotz energischer Zurufe, sie solle erwachen, 
zu sich kommen, reagiert sie darauf gar nicht, sondern fährt fort, 
die erlebte heftige Angst von dem Hundeanfall weiter zu reprodu¬ 
zieren, mit allen Gebärden, Schreien und Eufen, die sie damals 
zur Abwehr ausgestoßen hat. Das Ende der Eeproduktion schließt 
mit starkem Schluchzen, das dem Laute eines Hundegebelles 
ähnlich ist. 
Darauf öffnete sie selbst die Augen, kam zu sich, bekam 
den Kontakt mit dem Arzte und der Umgebung wieder zurück, 
blieb aber noch weiter unruhig, gestört, geängstigt und mit Tränen 
in den Augen. Auf die Frage, was mit ihr geschehen sei und woran 
sie sich von alledem, was eben vorgekommen, erinnere, ant¬ 
wortete Patientin, sie könne sich an nichts erinnern. 
Bei den nächsten drei oder vier Sitzungen fing die Patientin 
bereits an, sich an das Eeproduzierte zu erinnern, es scheine ihr, 
als ob sie es geträumt habe, daß die Hunde sie überfallen und 
sie sich stark erschrocken hätte. Nach einigen weiteren Eeproduk- 
tionen konnten wir mit der Patientin bereits während der Eepro-
        

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