Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/126/
1250 
G. Störring 
Exploration heraus stellte, dieselbe Stelle des Oberschenkels, an 
der sie Schmerzen empfand. 
Hier zeigt sich nns ein Komplex von Gedanken, 
der sich mit einem starken Unlnstaffekt 
verbindet, ans dem Bewußtsein verdrängt1). 
An die Stelle der verdrängten Gedanken sind körperliche Dauer¬ 
symptome getreten. Freud spricht hier von einer ,,Konversion 
der E r r e g u n g s s u m m e”. 
II. Die ältere kathartisch-analytische 
Methode von Frank. 
Der ursprünglichen Freud^chen Methode steht am nächsten 
die sogenannte kathartisch-analytische Methode. 
Sie wird vertreten besonders durch Ludwig Frank2 3) und in aller- 
neuester Zeit von Nicolaus Kretschnikoff). 
Frank nimmt die psychoanalytische Untersuchung in einem 
Zustand leichter Hypnose vor. In diesem Zustand verfolgt er aber 
die in bequeme Lagerung gebrachten Patienten durch folgende 
Maßnahmen: Er sagt: ,,Zur Einleitung des Schlafes lasse ich eines 
meiner Augen fixieren, rede den Patienten Euhe zu, wie das auch 
seither bei der Methode der Kancyer Schule allgemein geübt 
wurde. Dabei suggeriere ich in leisem monotonem Flüsterton, daß 
die Augen ermüden und der Schlaf sich einstellt. In vielen Fällen 
wird das Einschlafen dadurch gefördert, daß ich die linke Hand auf 
die Stirn des auf dem Sofa ruhenden Patienten lege, die Oberlider 
mit Daumen und Zeigefinger stütze, indem ich sie bis zur Mitte 
der Cornea vorschiebe, dabei mein rechtes Auge, das ich fixieren 
lasse, so halte, daß der Patient möglichst weit nach unten schauen 
muß. Bisweilen ist es dem Patienten angenehmer, vom Anfang an 
ein Auge durch den Finger des Arztes schließen zu lassen. In dieser 
Stellung ermüden die Augen sehr rasch. Meist fällt der Patient inner¬ 
halb einer halben Minute, nicht selten in wenigen Sekunden, in 
Schlummer. Dann fordere ich die Patienten auf, daß sie sich, 
sobald die Augen zugefallen sind, nicht weiter um den Schlaf 
kümmern, sondern ruhig, möglichst indifferent, ohne Erwartungs¬ 
affekt und ohne Anspannung der Aufmerksamkeit bei geschlossenen 
Augen vor sich hinschauen sollen” 4). 
Yor Vollzug dieser Maßnahmen wird dem Patienten mit¬ 
geteilt, daß nur eine ganz leichte Hypnose hergestellt werde, 
1) Vgl. diese Schrift. S. 1161 ff. 
2) Ludwig Frank : Aff ektstörungen. Studien über ihre Ätiologie und Therapie. 
Berlin 1913. 
3) Kretschnikoff : Die heilende Wirkung künstlich hervorgerufener Urpro¬ 
duktionen von pathogenen-affektiven Erlebnissen. Arch. f. Psych. 1929. 
4) 1. c. S. 27.
        

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