Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/107/
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens 
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Bewußtsein aufgedrängte Vorstellung ver¬ 
schmilzt. 
Ich spreche zunächst von der Verfälschung der Wahrnehmung. 
Es ist ein bekanntes Phänomen, welches man häufig bei den 
hier in Betracht kommenden Kranken findet, daß sie glauben, 
mit feindseligen Blicken beobachtet zu werden, sobald sie sich 
auf der Straße sehen lassen. 
Die mißtrauische Verstimmung hat auf Grund ihrer assozia¬ 
tiven Beziehungen die Tendenz zur Beproduktion der Vorstellung 
feindseliger Handlungen. Sie muß deshalb bei einem bestimmten 
Verhalten der Umgebung gegen den Patienten die Tendenz haben, 
die Vorstellungen eines feindseligen Verhaltens bestimmter Art 
(hier des feindseligen Blickes) wachzurufen. 
Wenn schon allgemeine Verfolgungsideen zur Ausbildung 
gekommen sind, so werden diese bei einem bestimmten Verhalten 
der Umgebung ebenfalls die Tendenz haben, die Vorstellung eines 
feindseligen Verhaltens dieser Art zu erzeugen, wodurch dann die 
Tendenz der mißtrauischen Verstimmung verstärkt wird. 
So wird also die Wahrnehmung verfälscht. 
Die Wahrnehmung ist aber auch bei diesen Kranken zuweilen 
eine einseitige, was wir darauf zurückführen, daß die mißtrauische 
Verstimmung bewirkt, daß die mit mißtrauischer Affektbetonung 
begleiteten Züge größere Chancen haben, in den Blickpunkt des 
Bewußtseins zu treten als die anderen. Jener Beisende mit Ver¬ 
folgungsideen, von dem wir schon wiederholt sprachen, glaubte 
im Verlaufe seiner Erkrankung zu bemerken, daß die Kunden, 
die er besuchte, anstatt ihres früheren auf alter Bekanntschaft 
beruhenden liebenswürdigen Verhaltens ein feindseliges Verhalten 
ihm gegenüber zeigten. 
Die indifferenten Züge des Verhaltens wurden durch falsche 
Assimilation in feindselige verkehrt, die liebenswürdigen Züge 
desselben (wie sie bei 15jährigen Bekannten natürlich sind), waren 
von ihm einfach nicht bemerkt worden. 
Woher es kommt, daß die mißtrauische Verstimmung gerade 
Züge mit mißtrauischer Affektbetonung in den Blickpunkt des 
Bewußtseins rückt (und darin fixiert), brauchen wir wohl nach 
der ähnlichen Erörterung bei Besprechung der einseitigen Fixie¬ 
rung der Vorstellung nicht näher auseinanderzusetzen. 
Wir haben so gezeigt, wie das in den Wahrnehmungen und 
Vorstellungen gegebene Material für das Urteilen durch die 
emotionelle Anomalie modifiziert wird. Durch diese Modifikation 
muß natürlich auch das Urteil beeinflußt werden. Man be¬ 
greift aber jedenfalls hieraus nicht, daß 
die von den emotionellen Anomalien ab-
        

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