Bauhaus-Universität Weimar

Psychologie der Arbeitshand 
1123 
Körpererziehung gedenken, um die Bedeutung des Themas zu 
erkennen. Wichtiger wäre wohl der Hinweis, daß das Studium 
der Arbeitshand das alte wirtschaftlich und ideell gerichtete 
Problem der Trennung von Kopfarbeit und Handarbeit näher 
klären möchte. Schon alle bisherigen anfänglichsten Befunde 
lassen andeuten, daß diese ideologische Scheidung menschlicher 
Betätigung kaum in gleicher Form aufrechterhalten werden 
kann. Hie Trennung der menschlichen Kulturtätigkeiten in 
leichte und schwere wird nicht minder durch die Arbeitshand¬ 
forschung Aufhellungen erfahren. Wenn wir endlich übergehen zu 
soziologischen Anwendungen oder zur Pädagogik, so bedeutet 
dort die Handforschung ein Element zur Völkerdiagnose und zur 
Lebensraumforschung sowie ein Hilfsmittel wissenschaftlich fun¬ 
dierter Erziehung der Werdenden. 
Aber alle diese angewandten Möglichkeiten stehen doch nicht 
allein in Aussicht. Man darf sagen, daß auch die Theorie der Psycho¬ 
logie ihre Interessenahme am Gegenstand bekunden sollte! 
Im Problem der Arbeitshand ruhen Fragen, die heute die 
theoretische Psychologie rege beschäftigen und die durch eine 
Kenntnisnahme der Untersuchungsverfahren für die Hand viel¬ 
leicht auch einmal zu besonderen Fragestellungen führen, welche 
durch den neuen Gegenstand entsprechende Belege empfangen. 
In dem Arbeitshandproblem liegt an sich schon die eigen¬ 
artige Entwicklung des menschlichen Individuums, dahin aus¬ 
geprägt, daß - zweifellos die werktätige Extremität in der Lage 
war, den Menschen auf eine Sonderstellung unter den Lebewesen 
•zu bringen. Diese merkwürdige Loslösung des Menschen vom 
Tierreich durch die Hand, die Hypertrophie der Hand als Organ, 
ist entwicklungsgeschichtlich sehr beachtlich und kann andere 
die Intelligenz betreffenden Fragen vielleicht sogar erheblich 
klären. Wir möchten an die besonderen Beziehungen ge¬ 
mahnen, die zwischen optischer und manueller Entwicklung des 
menschlichen Lebewesens bestehen. Sicherlich mag das Hand¬ 
problem für die Entwicklungspsychologie einmal von hervor¬ 
ragendem Werte sein. Liegt doch weiterhin in dieser Trennung 
des Menschen von der Tierreihe noch das Prinzip der Differen¬ 
zierung der Hand sogar bis in die Gegenwart, selbst noch bei den 
Kulturvölkern. Die funktionelle Differenzierung des Menschen wird, 
mit anderen Worten, auf dem Gebiete seiner manuellen Lebens¬ 
form seinerzeit eine besondere entwicklungswichtige Bedeutung 
bekommen. Hypertrophie und Differenzierung sind als Grund¬ 
sätze individueller Entwicklung zumal bei der Hand von auf¬ 
fallender Wirkung gewesen. 
Endlich ruht dann des weiteren verborgen das ewige, stets 
gleich dunkle Problem der Leib-Seele-Beziehungen. Wo immer 
Abderhalden, Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden. Abt. VI, Teil B/II. 73
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.