Bauhaus-Universität Weimar

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Fritz Giese 
Der Psychograph selbst wird in verschiedensten Konstruk¬ 
tionen angegeben, vielfach überschreitet er nicht die Art behelfs¬ 
mäßiger Einrichtungen. 
Ein an Schnüren pendelndes Brett, auf das der Arm gelegt 
wird, oder ein storchschnabelähnliches Gebilde, auf das verschiedene 
Personen lose ihre Hände legen, dient als Instrument. In der Begel 
werden Buchstaben oder Buchstabenzifferblätter mit einer um 
ihren Mittelpunkt drehbaren, freischwebenden Strohhalmnadel 
benutzt; in jedem Eall werden in der Nähe oder auf Tastflächen die 
Hand oder die Hände gelegt und eine bestimmte intellektuell 
formulierte Frage gestellt oder überhaupt abgewartet, was ge¬ 
schieht. Begelmäßig fangen derartige mit einer Zeigespitze ver¬ 
sehene Instrumente an, auf bestimmte Buchstaben des Ziffer¬ 
blattes oder der Arbeitsfläche sich hin zu bewegen, so daß man 
Worte bekommt, deren Sinn als parapsychologische Mitteilung 
aufgefaßt wird; unmittelbare Fragen werden mit ja oder nein 
(rechts oder links gerichteter Bewegung z. B.) beantwortet, je 
nachdem man die Verabredung traf. 
Der Versuch kann auch mit verkehrt auf eine Tischplatte 
gestelltem Glase gemacht werden, wobei einige Leute leicht die 
Hand auf die Tischkanten legen und ringsum Buchstaben auf 
Zettel markiert anbringen. Das Glas wandert dann psychographisch 
alsbald sinngemäß, der Versuch kann ferner unmittelbar in so¬ 
genanntes Tischrücken (mit Auftupfen der Beine im Klopf alphabet) 
übergleiten. 
Vor allem ist in solchen Fällen neben anderen Einflüssen alles 
auf Wirkung unvermerkter Mitbewegungen des Einzelnen, der 
Gruppe zurückzuführen. Psychograph und Psychometer sind 
Instrumente der Ausdruckshand. 
Die Sachlage wird noch klarer, wenn man Psychographie 
ohne jedweden Apparat betreibt und anderweitig sich unterhalten¬ 
den Personen etwa einen Bleistift in die Hand gibt, der in Spiegel¬ 
schrift unter der Tischplatte oder normal auf ihr alsbald mit sehr 
feinem, oft zittrigem Ductus Worte auf schreibt. 
Auch hier ist von geheimen Kräften niemals die Bede. Bichtig 
ist nur dies, daß nicht jedermann seine Aufmerksamkeit gut spalten 
und seine unterbewußten Schichten leicht simultan neben den 
oberbewußten des Gespräches, der Unterhaltung usw., gleich ge¬ 
wandt arbeiten lassen kann. Im übrigen entstehen dabei die aus 
der Assoziationslehre und der Psychoanalyse des Traumes, wie 
aller nebenbewußten Handlungen, bekannten Äußerungen der be¬ 
treffenden Persönlichkeit. Wünsche, Nebengedanken, Komplexe 
und alle sonstigen im Oberbewußten abgebremsten Inhalte können 
so über die schreibende Ausdruckshand an die Öffentlichkeit treten.
        

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