Bauhaus-Universität Weimar

Psychologie der Arbeitshand 
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1. PsyehograpMe. 
Die Methode der Psychographie will, wie der Name andeutet, 
Seelensehreibung sein. Bei ihr ist die Hand das Werkzeug, nm 
ans ihren Ansdrncksgebnngen Erkenntnisse tiefer Form zn er¬ 
langen. Man kann die in der Parapsychologie üblichen Verfahren 
in doppelter Weise teilen. 
Zunächst ist zu trennen die Methode nach dem Bewußtseins¬ 
zustand der ausübenden Person. Psychographie wird nicht nur 
im normalen, sondern auch im hypnotisierten Zustand vollzogen. 
In letzterem Falle werden die betreffenden Versuchspersonen durch 
Eremdhypnose oder Autohypnose in einen mindestens somnolenz¬ 
ähnlichen Zustand versetzt; sind sie Sensitive, wird wohl auch in 
individueller Abstufung Somnambulismus erreicht. Da nach allen 
Erfahrungen ein großer Prozentsatz der Ausübenden stark psycho¬ 
gene Typologie offenbart, so kommen hierbei die von Binet1) in 
so klassischer Weise zusammengefaßten Erscheinungsweisen einer 
übersteigerten Sinnes Wahrnehmung, einer Verlagerung der Sinnes¬ 
wahrnehmungsfelder und in unserem Ealle auch eine beliebig 
veränderliche Hautsensibilität in Betracht. Liegt, was ja durchaus 
nicht immer der Fall sein muß, kein Betrugsmanöver und keine 
gewinnbringende Absicht bei der Versuchsperson vor, so stehen 
alle von Binet, Janet2 3), Joirez) usw. zuerst in klassischer Form fest¬ 
gestellten Abwandlungen der Person in Frage, also auch Mehr¬ 
leistungen manuellmotorischer Form, wie sie im allgemeinen sonst 
nicht zu beobachten sind. Immer aber handelt es sich bei diesen 
Transponierungen der Sinneswahrnehmungèn u. dgl. anscheinend 
um Funktionen, deren Struktur zwar dunkel, deren Inhalt jedoch 
das intellektuelle Niveau der Anwesenden niemals überschreitet. 
Von höhergeordneten Erkenntnissen konnte nirgends etwas beob¬ 
achtet werden, wohl scheint die Möglichkeit telepathischer Über¬ 
tragung verschwommener Bewußtseinsinhalte (jenseits jedweder 
strikten Begriffsformulierung) allerdings nicht ausgeschlossen. 
Andrerseits kann auf jede Veränderung des Bewußtseins 
verzichtet werden. Alsdann bleibt der Ausübende im Normal¬ 
zustände wie sonst, nimmt man an, daß unmittelbare andere Ein¬ 
wirkungen auf die Psyche Zuströmen. Die Versuche mit dem 
Psychographen werden ferner entweder als Allein- oder als Gruppen¬ 
experiment vorgenommen. Am beliebtesten ist die Bildung von 
Ketten. 
x) Binet: La suggestibilité. Paris 1901. 
2) Janet: L’automatisme psychologique. Paris 1889. 
3) Joire: Traité d’hypnotisme. Paris 1914; außerdem vor allem Forel: 
Hypnotismus. Stuttgart 1923. 
Abderhalden, Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden, Abt. VI. Teil B/II. 
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