Bauhaus-Universität Weimar

Psychologie der Arbeitshand 
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hat. Hierbei ist in erster Linie gerade der Zuschauer Wirkungs¬ 
mittelpunkt, also die Hand im echtesten Sinne Ausdrucksgebung, 
da die Sprache fortfällt. 
Als Problem ist zu nennen: 
a) Die Möglichkeit der Übersteigerung der Gebärdenwirkung 
durch Massenszenen, und zwar in Dimensionen, die weit über die 
des Theaters hinausgehen; 
b) die Möglichkeit der Handwirkungsintensivierung durch 
Nahaufnahme, Großaufnahme und partielle Aufnahme der Person 
(bzw. der Hände); 
c) die Möglichkeit der zeitlichen Abfolgenstreckung der Hand¬ 
bewegung mittels Zeitlupe. 
Als Beispiel gestischer Wirkung aus den unter a und b ge¬ 
nannten Methoden sei umstehend aus dem Ufafilm ,,Dr„ Mabuse“ 
eine Handstudie wiedergegeben1). 
Es ist anzunehmen, daß auch für rein wissenschaftliche 
Zwecke die filmische Ausdruckshand noch wertvolle Ergebnisse 
zeitigt. Beispielsweise, um differenzierte Motorik der Bassen und 
der Nationen festzuhalten, um individuelle und kollektive Motorik 
der Ausdruckshand zu vergleichen oder um die Entwicklungs¬ 
formen der Ausdruckshand nach Alter, Bildungsschicht sowie das 
Bezugssystem zum seelischen Inhalt (dem Thema) vorzuweisen2). 
3. Der Tanz. 
Die Hand in der darstellenden Kunst spielt heute endlich 
noch eine erhebliche Bolle im künstlerischen Ausdruckstanz3). 
Hierbei ist, soweit wissenschaftliche Betrachtungsweisen über¬ 
haupt in Anwendung kamen, an erster Stelle die Methodik B. v. 
Labans4) zu erwähnen. 
Der künstlerische Tanz, den Laban erneut zur Blüte brachte, 
weicht ab von der Ballettechnik der früheren Zeit, die beispiels¬ 
weise mit Körper und Hand wenig ausrichtete, in erster Linie 
Bein Virtuosentum blieb5). Laban hat, gestützt auf die unter der 
Körpererziehung erwähnten gymnastischen Methoden, gerade Arm 
und Hand wieder zum Kernpunkt des Ausdruckes gemacht. Hierbei 
x) Vgl. Moholy-Nagy: Photographie, Film, Malerei, München 1925. 
2) Vgl. K. Lewin: a. a. 0.; ähnliche Beobachtungen werden für physio- 
gnomische und andere Zwecke augenblicklich auch an anderen Berufsschichten 
begonnen. 
3) Moreck: Tanz in der Kunst. Stuttgart 1924; Schmieden Tanz und Seele. 
Leipzig 1925; Luserke: Über die Tanzkunst. Berlin 1912; Brandenburg : Der moderne 
Tanz. München 1921. 
4) Laban: Welt des Tänzers. Stuttgart 1920; ferner Choreographie. Jena 1926. 
5) Hierzu vgl. Giese: Körperseele. München 1927.
        

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