Bauhaus-Universität Weimar

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Fritz Griese 
des Federhalters wird nicht gemeistert. Diese organisch bedingte 
Störung ist nicht zu verwechseln mit einheitlichen psychogenen 
Handhemmungen oder der Ataxie, die nur im TInsicherheitszustand 
der einmal eingeschlagenen und sonst richtig erstrebten Ziel¬ 
bewegung besteht. Für die Theorie von den Dominanzen bei der 
Arbeitshand ist gerade das Material über Apraxie außerordentlich 
wertvoll, da sie die Notwendigkeit derartig übergeordneter Re¬ 
gulierungen der sogenannten Handarbeit nahelegen muß. Übrigens 
hat LewandowsM1) darauf verwiesen, daß nach den Befunden der 
Apraxie beim Rechtshänder die linke Hemisphäre mit in die Praxie 
der linken Hand eingreift (beim Linkser liegt die Beziehung 
umgekehrt). Das ist für die Theorie der Rechtshändigkeit ebenso 
wichtig wie für die erwähnten Fehlschlüsse hinsichtlich der Kor¬ 
relation zwischen Gehirnaufbau und Ambidextrie! 
2. Therapie der Arbeitshand. 
Die Heilverfahren für anbrüchige Arbeitshände sind in mannig¬ 
fachster Typologie vorhanden. Wir erwähnen kennzeichnende Wege 
der Methodik. 
a) Heilverfahren bei Hirnverletzten. 
Die oben erwähnten Ausfallerscheinungen der Handleistung 
bei Hirnverletzten sind durch Poppelreuter und Giese einer syste¬ 
matischen Trainingstherapie unterzogen worden. Dabei waren 
zwei Wege gangbar. 
Giese wählte die abstrakt gerichtete, funktionelle Berufs¬ 
schulung durch Drillmethoden für die ausfallenden seelischen 
Seiten: Entsprechend wurde mit den in der Psychologie üblichen 
Verfahren2) beispielsweise die Konzentration der Handleistung, 
die Handruhe, die Handkraft, die Serienhandlung, die Leistung 
bei mechanischen Zusammensetzaufgaben u. a. m. gedrillt und 
durch Tageskurve die individuelle Leistung nach Quantität und 
Leistung notiert. Jeder Fall wurde dabei individuell behandelt und 
gefördert, wie es der Eigenart der Hirnverletzten entsprach. 
x) LewandowsM: Praktische Neurologie. Berlin 1917; Binswanger, Hoche, 
Schwitze, Siemerling, Westphäl und Wollenberg: Lehrbuch der Psychiatrie. Jena 
1915; Lipmann: Handbuch psychologischer Hilfsmittel der psychiatrischen 
Diagnostik. Leipzig 1922; K. Singer: Leitfaden der neurologischen Diagnostik. 
Berlin und Wien 1921; Bonhoeffer : Partielle reine Tastlähmung. Monatssehr. f. 
Psych, u. Neurol. 43. (1918); Gerstmann: Reine taktile Agnosie. Ebendort. 44.; 
Goldstein-Gelb: Psychologie der taktilen Raum Wahrnehmung. Zeitschr. f. Psychol. 
83. (1919); Kleist: Gehirnverletzungen. Zeitschr. f. d. ges. Neurol, u. Psychol. 
16.; Heilig: Kriegsverletzungen des Gehirnes. Zeitschr. f. d. ges. Neurol, u. Psychol. 
33. (1918); Oppenheim: Nervenkrankheiten. 2. Berlin 1923. 
2) Giese: Wirtschaftspsychologie. Berlin und Wien 1927 und a. a. 0.
        

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