Bauhaus-Universität Weimar

Psychologie der Arbeitshand 
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a) Rhythmische Gymnastik im engeren Sinne: Ansdruck¬ 
gymnastik. 
Wiederum interessiert uns nur die arbeitende Hand und das 
Trainingsprinzip der Methodik. 
Bode bezeichnet sein System auch als Ausdrucksgymnastik. 
Damit ist die erlebnisgemäße und zugleich subjektivistische Ein¬ 
stellung der arbeitenden Person gemeint. Rhythmus wird als 
Erlebnis genommen, es findet weder unmittelbare objektive Ein¬ 
stellung auf Zweckanatomie und Hygiene der Bewegungen (wie 
bei Mensendieck) noch taktisch musikalische Ausgestaltung (wie 
im System Jaques) statt. Das Erlebnis des rhythmischen Prinzips 
wird Mittelpunkt. Mit dieser Abtrennung von Metron und Rhyth¬ 
mus ist zwar, wie die Anhänger von Jaques betonen, kein eigent¬ 
licher Unterschied geprägt, da jede Taktrealisierung in sich 
Rhythmus berge oder richtiger umgekehrt jede Rhythmisierung 
gar nicht anders als als Takt gestaltet werden könne. Als kühler 
Beobachter kann man hinzufügen, daß sicherlich manche Leute 
das rhythmische Prinzip nicht anders als verschwommenes, 
mystisches oder pubertäthaft bestimmtes Etwas in die Körper¬ 
erziehung hineintragen, ohne daß irgendeine Handhabe für reale 
Gegebenheiten oder eine Kontrolle existiert. 
Wichtig ist, daß Bode in diesem Zusammenhang aus dem 
Rhythmusgedanken für die Bewegungsformen (der Hand) den 
Gedanken der unterbewußten Lösung mit der Idee der Entspannung 
und Spannung verbindet. Kräfte, wie sie das ungehemmte Kind 
noch in der Bewegung offenbart, sollen wieder gelockert werden, 
Hemmungen sollen schwinden. Damit wird erstrebt Wieder¬ 
gewinnung der formalen natürlichen Atmungsweise bei den Be¬ 
wegungen, zweitens der psychologisch sehr richtige und wichtige 
Ganzheitscharakter der Bewegung, stammend aus der Totalität 
der Person. Damit ist der Trennungsstrich zu den elementar auf¬ 
bauenden Mensendieckübungen wie zum drillhaften Turnen ebenso 
gezogen wie gegenüber der Leistungseinstellung im Sport. Es 
ist interessant, daß selbst die erwähnten Eälle der Fehlleistung, 
etwa des Schreibkrampfes, von Bode aus der falschen Total¬ 
einstellung der Person abgeleitet werden. Er will daher durch die 
strukturelle Schulung des Menschen eine Ökonomie der psycho¬ 
physischen Energie erzielen und alles vermeiden, was zu einer 
Fehlwirtschaftsführung im psychophysischen Haushalt führt. Um 
nur bei der Hand (Schreibkrampf) zu bleiben, gibt er Entspannungs¬ 
übungen, die die starre Verkrampfung der Hand wie des ganzen 
Menschen lösen würden. Folgende vier Ursachen der mangelnden 
Entspannungsfähigkeit werden Grundlage seiner Methode: 
a') Zu starke Anspannung der Muskelgruppen, die für die 
jeweilige Bewegung von nebensächlicher Bedeutung sind, während
        

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