Bauhaus-Universität Weimar

Psychologie der Arbeitshand 
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wicklung als Bodensatz übrigblieb en und methodisch für die Hand 
von Bedeutung sind. Ich unterscheide sinngemäß die anatomische 
Gymnastik, die metrische Gymnastik und die rhythmische 
Gymnastik. 
1. Anatomisch-funktionelle Gymnastik. 
Es ist das unvergängliche Verdienst der Frau Bess M. Mensen- 
dieck, daß sie aus dem Wust mystischer, metaphysischer und 
realer Vorschläge seit Bels arte, Stebbins u. a.1) ein auf reiner Anatomie 
und Physiologie beruhendes Gymnastikverfahren ausbaute, bei 
dem die Hand ihre angemessene Bolle spielt2) ; dieses Mensendieck - 
system, wie es genannt wird, geht aus von der Idee des Statischen. 
Der Körper wird aufgefaßt als ein in relativer Buhelage befindliches 
System. Dabei wird mittels mathematisch-anatomischer Gesichts¬ 
punkte Funktion und Bewegungswirkung aufs genaueste logisiert, 
mithin auch die Hand methodisch so geübt, daß sie praktisch in 
engerem Bahmen für Arbeitsleistungen geschult ist. Dabei kann 
freilich nicht übersehen werden, daß hier die Schulung den neu¬ 
zeitigeren Anforderungen an die Werkhand nicht mehr gerecht 
werden wird3). 
Mensendieck schult beispielsweise die Hand unter folgenden 
methodischen Gesichtspunkten und Phasen der Bewegung: 
a) Seitliche Armbewegungen auf Schulterhöhe. 
Ausgangsstellung Arme hängend seitlich, Handrücken seitlich außen, 
beide Oberarme nach innen gerollt, so daß Handrücken vorn außen stehend, 
Oberarme bleiben eingerollt und heben die relaxierten Unterarme mit 
Händen auf Schulterhöhe nach vorn, 
lose herabhängende Hände werden ausgestreckt, bis Ober-, Unterarm 
und Hand in einer Linie gestreckt, 
mit der Handfläche werden kleine wagrechte Striche in der Luft gemacht 
(als ob Luftschicht wie ein Wasserspiegel bis zur Schulterhöhe reiche), 
allmähliche Rückwärtsbewegung der Hand, ohne eine Drehung des Ober¬ 
körpers oder 
Überführung der rechten Hand auf linke Schulter durch 
Rollen des rechten Oberarmes, 
Relaxierung von Unterarm und Hand, 
Querführung des Armes über Brust. 
ß) Armkreuzen. 
Rollen der beiden Oberarme einwärts, 
Erheben beider Arme vor Kreuzen mittels Oberarm. 
y) Armheben gegen Körper hin. 
Arm seitlich am Körper hängend, Handfläche zum Gewand, 
Hand allein an Handgelenk nach vorn gedreht, 
x) G. Stebbins: Society Gymnastics and Voice Culture. 1885; System of 
physical Training. Delsarte System of Expression. New York 1902; Giraudet: 
Mimique, Physiognomie et Gestes (d’apres Del Sarte). Paris 1895. 
2) Mensendieck: Körperkultur der Frau. München 1906; Funktionelles 
Frauenturnen. München 1923. 
3) Giese: Taylorsystem und Mensendieckgymnastik in Giese-Hagemann, 
Weibliche Körperbildung und Bewegungskunst. München 1923.
        

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