Bauhaus-Universität Weimar

Psychologie der Arbeitshand 
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bei der Klavierband skizzieren nnd eben diese Problematik als 
wissenschaftliches Thema festhalten sollten1). 
y) Orgel und Harmonium. 
Die Literatur über diese Instrumente ist relativ ärmer an 
psychologischen Darstellungen, da die Hand einmal durch die 
meist geruhigere Tempogebung nicht jene artistische Hochwertig¬ 
keit voraussetzt wie beim virtuosen Klavierspiel, weil der Kreis der 
Interessenten geringer ist und weil endlich vor allem die Probleme 
des Harmoniums und der Orgel viel tiefer in die Musikalität der 
Sachlage — Eegistrierkunst — eindringen, so daß das Hand¬ 
problem demgegenüber von sekundärer Bedeutung bleiben kann. 
Die Farbenbeeinflussung im Vortragswerk ist unter anderem von 
wesentlicherer Bedeutung als die Mechanik der manuellen Arbeit. 
Technischen Schwierigkeiten oder akustisch ungünstigeren Wir¬ 
kungen der Stimmführung kann der Spieler im übrigen hier durch 
Beherrschung einer guten Manualtechnik am Instrument weit¬ 
gehend aus dem Wege gehen. Die Arbeit der Hand ist bei diesen 
Instrumenten außerdem recht verschieden gerichtet, da wir unter 
anderem mit komplizierten Apparaten zu tun haben, zumal im 
Orgelbau die Individualität des Instrumentes unendlich größer 
ist als bei irgendeinem Klavier. Die Orgel ist weniger standardisier¬ 
bar als jenes. Bei Manualwechsel oder Koppelung, bei Pedal¬ 
koppelung und Jalousieschwellung ist dauernde Mitarbeit der 
Beine während der bimanuellen Tätigkeit vonnöten. Auch dort, 
wo diese Beinarbeit keinesfalls wie bei der primitiveren Harmonium¬ 
konstruktion bloße Schwellungsvarianten bedingen oder ein Mit¬ 
treten voraussetzen soll. Die Handgriffe sind ferner von erheblicher 
Vielseitigkeit, aber von charakteristischer Betonung auch der 
maschinellen ,, Griff tätigkeit” (gegenüber dem Klavier), so daß 
der Unterschied zwischen den Instrumenten erheblich ist. Diese 
kurzen Bemerkungen müssen an dieser Stelle genügen2). 
2. Blas-, Zupf- und Schlaginstrumente. 
Auch diese Gruppe entbehrt noch ganz der psychologischen 
Vertiefung und es würde Sonderuntersuchungen erfordern, um 
1) Unter anderem vgl. ferner Dünn: Das Geheimnis der Handführung. 
Leipzig 1914; Gorter: Geschmeidigkeit nnd Kraft. Berlin 1904; Zabludowski: 
Schreiber- nnd Pianistenkrampf. Leipzig 1901; Unschuld: Die Hand des Pianisten, 
(ohne Angabe); Pembaur: Die Bildnng der Gymnastik der Finger. Inns¬ 
bruck, ohne Jahr; Michelson: Der Fingersatz heim Klavierspiel. Leipzig 1896; 
Milankovitcht Grundlagen der modernen pianistischen Knnst. Leipzig 1923; 
Scharwenka: Methodik des Klavier spiels. Leipzig 1922; Kreutzer: Das Wesen der 
Klaviertechnik. Berlin 1923; Tetzel: Problem der modernen Klaviertechnik. 
Leipzig 1916: Kosnick: Lebenssteigerung. München 1927. 
2) Pudolz: Die Kegistrierkunst. Leipzig 1913; Locher: Die Orgelregister. 
Bern 1923.
        

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