Bauhaus-Universität Weimar

Psychologie der Arbeitshand 
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Halten des Spieles rechts mit Daumen und Zeigefinger an zwei Ecken der 
Längsseiten; Einschieben des Ringfingers zur Spieltrennung. Klein- und Mittel¬ 
finger wird gegen Rücken des hinteren, dem Handteller zugekehrten Kartenstückes 
gelegt. Durch Ausstrecken des Ring-, Mittel- und Kleinfingers und unter Fest¬ 
halten mit jenen wird letzterwähntes auf die Vorderseite des Spieles gebracht. 
y) Filieren der Karten. 
Unvermerktes Changieren eines oder mehrerer Kartenblätter: 
Spiel wird links gehalten, Verschiebung der obersten Karte durch Daumen 
seitlich nach rechts. Alle anderen Finger sind frei zu lassen. Die zu vertauschende 
Karte wird rechts zwischen Zeige- und Mittelfinger gehalten. Vereinigung der 
Hände zwanglos, wobei ungeheuer schnell Rechtskarte von den linken Fingern 
erfaßt und unter das Spiel gemengt wird, während die Rechte die seitlich ver¬ 
schobene, vom linken Daumen gehaltene Karte erfaßt. Die Arbeitsleistung wird 
durch Spielsenkung nach unten erleichtert. 
Die Fingerfertigkeit läßt dasselbe auch mit mehreren Karten zu. Eine 
methodische Abart ist die Chicagomethode, deren Beschreibung wir aber fort- 
lassen1). 
Als Abart des Filierens ist das Schleifen zu erwähnen, wobei ein vorher 
gezeigtes Kartenblatt mit dem nächstfolgenden des Spieles bei der Operation 
verwechselt wird, ohne daß der Zuschauer es merkt. 
8) Forcieren der Karten. 
Die Kenner betonen, daß das Forcieren nicht von bloßer 
Übnng wie die Yolte abhänge, sondern daß die arbeitende Hand 
dabei eine gewisse individuelle Begabnng in sich tragen müsse, 
wenn der Effekt einwandfrei zustande komme. In Anwendung 
gelangt in gewissem Sinne das Marbesehe Prinzip von der Gleich¬ 
förmigkeit des psychischen Geschehens1). 
Die Hand verfährt wie folgt: 
Ein Spiel Karten wird von dritter Seite gemischt, bei der Rückgabe läßt 
der Artist die unterste Karte desselben, nach blitzschneller Besichtigung, mittels 
A^olte in die Mitte des Spieles kommen. Dort bleibt der kleine Finger im Spiel 
ruhen. Alsdann werden die Karten horizontal fächerförmig ausgebreitet, und 
zwar so, daß jene Karte — ein klein wenig vorgerutscht mit der Kante — ver¬ 
deckt wie die anderen auf Mitte des Fächerbogens zu liegen kommt. Suggestible 
Personen ziehen dann sofort diese künstlich dorthin gebrachte Karte. Die Sonder¬ 
bewegungen bei Versagen dieses, dem Marbe sehen Prinzip entsprechenden Tricks 
durch nichtsuggestible Personen wollen wir hier außer acht lassen. 
s) Eskamotieren. 
Die Methode bewirkt, daß man ein oder mehrere Karten aus dem Spiel 
unvermerkt entfernt und in der rechten oder linken Hohlhand verbirgt. Nachher 
werden diese Sonderkarten durch Auflegen dem Spiel wieder beigegeben. 
Manuell wird so verfahren: 
Spiel in der Linken, Daumen auf Rückseite, Kleinfinger zwischen Spiel 
und zu eskamotierender Karte. Die anderen Finger umfassen leicht das Spiel. 
Die Rechte greift über den Rücken des Spieles, stemmt den Daumen fest gegen 
die untere Schmalseite und zieht so die Karten zurück, wobei das Spiel zugleich 
mit den übrigen Karten zurückgebogen wird. Beim Loslassen schnarren diese 
x) F. W. Conradi: Der moderne Kartenkünstler. Dresden 1897; Qerieke: 
70 Kartenkunststücke. Berlin 1921; Toskana: Mysterien des Kartenspieles. 
Berlin 1900; H. Hermann: Geheimnisse der Falschspieler. Berlin 1919. 
2) Marbe: Die Gleichförmigkeit in der Welt. Leipzig 1916—1919.
        

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