Bauhaus-Universität Weimar

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Fritz G-iese 
1. Altersphysiognomih der Hand. 
Ähnlich wie im Gesicht, an den Beinen, dem Halse, dem 
Rumpf kann man die Altersspurengebung auch an der Hand 
finden1). Es sprechen hierbei mit die Einflüsse der Witterung, 
der Eettbildung, der Berufstätigkeit und vieles mehr. Die fett¬ 
reiche Kinderpatsche bildet sich in den zwanziger Jahren um, 
wo bereits die Yenen blau durch den Handrücken schimmern. 
Zwischen den nächsten zwei Jahrzehnten bilden sich die ersten 
Hautfalten heraus, wird die Handbehaarung beim Manne stärker, 
beginnt immer deutlichere Schwielenbildung. Das Fett läßt nach, 
so daß die Hand alsbald knochiger erscheint, die Haut falten¬ 
reicher, dünner, dunkler gefleckt; formal zu „weit”. 
Derartige Grundverhältnisse kann man zum Studium photo¬ 
graphisch festlegen. Umstehend werden die Altersstufen von 
Händen zwischen dem 2. bis 80. Lebensjahre vorgeführt. 
2. Graphologische Ausdrucksgebung. 
Wertvoll kann auch die graphologische Ausdrucksgebung der 
alternden Arbeitshand sein. Hierbei muß, ähnlich wie beim Kinde, 
die formale Veränderung der Handschrift beachtlich bleiben. 
Die Handschrift kann nicht nur zittriger, sondern im Gegenteil 
flüchtiger, ruhiger oder ausgeglichener sein als im Jugendduktus. 
Bekannt ist die Gegenüberstellung der Jugend- und Altershand¬ 
schriften bedeutender Menschen, so Goethe s, G. F. Meyers u. a. 
In einigen Fällen hat man aus der Altersentwicklung unmittelbar 
auch Rückschlüsse auf den Gesamthabitus etwa im pathologischen 
Sinne gefolgert; so bei Nietzsche, Lenau, Hölderlin u. a. 
YYenn auch beide Methoden schon unmittelbar zur Unter¬ 
suchung der Ausdruckshand rechnen, möchte man sie doch an 
dieser Stelle miterwähnen. 
c) Bahnungs Übungen der Altershand. 
Sehr interessant waren Fälle, vielfach des Krieges oder der 
Unfallanbrüchigkeit, in denen es galt, alte Leute umzuschulen 
auf eine neue Tätigkeit. Hierbei kommen wiederum nur die Arbeits¬ 
formen in Betracht, die als manuelle bestimmt sind. Es zeigte 
sich in allen diesen Fällen, daß das individuelle Altern des Menschen 
auf dem Gebiete auch der Hand verhältnismäßig früh beginnt, 
gelegentlich bereits Ende der zwanziger, meist deutlich Mitte der 
vierziger Jahre. Wir können die Erfahrungen der Altersumschulungs¬ 
stätten in der sozialen Wohlfahrt ebenso verwenden, wie die 
Erkenntnisse des Sportes. 
x) L. JR. Müller: Über die Altersschätzung bei Menschen. Berlin 1922.
        

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