Bauhaus-Universität Weimar

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IV. Principien der experimentalen Untersuchung, Mass 
und Methoden. 
Folgendes die Betrachtung, von der ich hei diesen Unter¬ 
suchungen ausgegangen bin.1 
Gesetzt, es gälte zu beweisen, dass die Symmetrie an sich wohl¬ 
gefälliger als die Nichtsymmetrie ist, so hätte man nicht an Bau¬ 
werke und den menschlichen Körper zu appelliren ; da möchte der 
Beweis immer zweifelhaft bleiben, so viel man messen wollte. Nach 
horizontaler Bichtung herrscht die Symmetrie in diesen Beispielen vor, 
nach verticaler fehlt sie, ausnahmsweise selbst nach horizontaler; und 
fraglich bleibt, was dabei auf Wohlgefälligkeit an sich, was auf Zweck¬ 
mässigkeit und andere Mitbestimmungen zu rechnen. Aber man kann 
die Entscheidung durch die einfachste vergleichsweise Vorlage 
symmetrischer und nicht symmetrischer Figuren erhalten, von denen 
möglichst Alles abgesondert ist, was ausser der Symmetrie und Nicht¬ 
symmetrie noch auf den Vorzug des Gefallens Einfluss haben kann. 
Jedes nicht gar zu kleine Kind wird die einfache symmetrische Figur 
der nicht symmetrischen, die kaleidoskopische Ordnung bunter Stern¬ 
chen ihrer Untereinanderwürfelung vorziehen, jeder Erwachsene bei¬ 
stimmen. Warum nun nicht eben so einfach über den Vorzug des gold- 
nen Schnittes oder der einfachen rationalen Verhältnisse vor andern 
Verhältnissen entscheiden? Thut es der goldne Schnitt der Symmetrie 
an Wohlgefälligkeit gleich oder überbietet er sie gar, so muss sich diess 
aucË schon bei Versuchen mit einfachen Rechtecken und Abtheilungen 
einfacher Längen oder Streifen zeigen, wo keine Wahl zwischen einer 
verschiedenen Anlegungsweise der Masse und keine Mitbestimmung 
durch Zweckrücksichten u. s. w. statt findet, oder alle philosophi¬ 
sche Begründung und empirische Berufung auf complicirte Beispiele 
fruchtet nicht. 
Auch wenn der Vorzug directer Wohlgefälligkeit des Tactes vor 
der Tactlosigkeit, d. i. der Regel vor der Regellosigkeit in Wieder¬ 
holung von Toneindrücken oder Bewegungen, bewiesen werden sollte, 
würde die Berufung auf die Leistungen des Tactes in der Musik und 
beim Tanze nicht entscheiden, da es gegentheils manche Geschäfte
        

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