Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aesthetik auf realistischer Grundlage. Band 2
Person:
Kirchmann, Julius Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39656/44/
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Das Einfach - Schöne. 
noch nicht unbedingt hässlich, sondern kann naturalistisch - schön 
sein, wie die Bauern - Gruppen in den niederländischen Gemälden 
zeigen. Ebenso enthalten berühmte Gemälde und Dichtungen Bilder des 
Schmerzes und damit an sich auch Hässliches; allein durch Einfü¬ 
gung m das Schöne haben diese hässlichen Elemente ihre ursprüng- 
iche Natur und Selbstständigkeit verloren Und dienen somit zur Er¬ 
höhung der Schönheit des Ganzen, wie später gezeigt werden wird. 
Da im gewöhnlichen Leben diese Verarbeitung nicht besonders be¬ 
merkt wird, so sträubt sich das Urtheil, solche Bilder des Schmerzes 
iur ein Hässliches zu halten; allein dieses Hässliche ist in Wahrheit 
da, nur durch die Verarbeitung wieder verhüllt. 
13. Burke leitet in seinen »Untersuchungen über das Erhabene 
und Schöne« den Unterschied des Erhabenen und Schönen gleichfalls 
a"S d®n Gefuhlen ab- Schön ist ihm alles, »was Sympathie einflösst, 
»die Nachahmung weckt, unserm Ehrgeiz schmeichelt und was Zunei- 
»gung, Anhänglichkeit oder Wohlwollen einflösst.« Dies würde mit 
der hier gegebenen Definition übereinstimmen, wenn Burke statt 
»einflösst« gesagt hätte: darstellt. Das Schöne ist zunächst 
schon durch die Gefühle, welche es in sich enthält, oder welche es 
darstellt; nicht durch die Gefühle, welche es im Zuschauer bewirkt, 
obgleich diese mit jenen in ursächlicher Verknüpfung stehen. Auch 
erder defimrt das Schöne »als den sinnlichen Ausdruck des Wohl- 
»seins« und er sagt weiter : »Am Menschen ist Alles darstellend, aus- 
>ciüc en , vollbedemend. Die ihn belebende und angeborene Kraft 
»wo nt ausgedrückt in seinen Gliedern, Bewegungen und Geberden. 
»Menschen, die in ihrer Gestalt sich durch Reinheit, Kraft und Har- 
»mome auszeichnen, erscheinen wie Engel. Diese in allen Zügen 
»bedeutende reine Menschengestalt ist die menschliche Schönheit.« 
Nimmt man das erst erwähnte »Wohlsein« hinzu, so trifft diese De¬ 
finition Herders genau mit der hier gegebenen überein. 
_ 14- Die idealistischen Systeme, welche das Schöne als die Er¬ 
scheinung der Idee definiren, haben für das Hässliche keinen Platz • 
denn die Idee steckt in Allem. Sie sind deshalb genöthigt, das Hässliche 
mit dem Unsittlichen als Eins zu setzen, wie bei Vise her geschieht, 
und sie haben dann wieder Mühe, das Schöne von dem Sittlichen ge- 
trennt zu halten. Schon Zimm ermann sagt darüber treffend (I. 721): 
»Menn Beseeltheit Schönheit wäre, dann müsste jedes menschliche 
»Individuum ohne Ausnahme schön sein. Wenn man aber unter 
»schönen Menschen nur schön beseelte versteht, so ist damit eirn'e- 
»standen, dass die Beseelung allein die Schönheit nicht verleiht.« ° 
15. Es ist früher gezeigt worden, wie sich die Lust und der
        

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