Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aesthetik auf realistischer Grundlage. Band 2
Person:
Kirchmann, Julius Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39656/328/
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Die erste Periode der Kunst. 
mechanische Kräfte, aber die künstlerische Thätigkeit in Auffindung der 
bildlichen Elemente war bei dem schönen Abbilde des Hauses leichter, 
als bei dem des Menschen. Die mechanischen Schwierigkeiten dort sind 
für die Fürsten und Priester ein Reiz mehr und so werden die Bau¬ 
werke bei allen Völkern das erste Schöne der bildenden Kunst. Da 
aber im Süden das reale Haus nur dürftig ist und auch im Norden 
anfänglich nur eine geringe Unterlage bot, so erklärt es sich, dass die 
Formen dieser Bauwerke in das Phantastische und Symbolische geriethen. 
Erst bei den Griechen war das reale Wohnhaus bestimmter und wirkte 
reinigend auf die Gestaltung der Kunstbauwerke ein. 
25. Dagegen kann es auffallen, dass die Malerei in dieser 
ersten Periode gegen die Plastik zurückblieb, da doch die technischen 
Schwierigkeiten bei ihr geringer als bei dieser erscheinen. Allein 
es entscheidet hier, wie bereits erwähnt, nicht blos dieser technische 
Punkt, sondern auch die Erkenntniss der bildlichen Elemente (I. 201), 
welche die Kunst zu benutzen hat. Für den rohen Menschen sind 
offenbar die plastischen Elemente leichter in ihren gröbern For¬ 
men zu finden, als die Elemente der Malerei. Dort ist es die hand¬ 
greifliche körperliche Gestalt, die nachzuahmen ist ; hier sind es schon 
blosse Eigenschaften, wie der Umriss, die Farbe, die Schattirung. 
Diese Elemente waren schwerer zu sondern und für sich zu benutzen, 
als die körperliche Gestalt und deshalb entstand das plastische Werk 
vor dem malerischen, obgleich die Herstellung mühsamer war. 
26. Erst in Aegypten begann die Malerei, aber sie blieb auch 
da gegen die Plastik zurück. Die technische Fertigkeit war sicher¬ 
lich für beide Künste gleich vorhanden, allein man vermochte nicht 
die bildlichen Elemente der Malerei mit Leichtigkeit zu benutzen. 
Man konnte sich weder in die Farbenmischung finden, noch in die 
Schattirung, noch in die Perspektive; selbst bei der Flächengestalt 
beschränkte man sich auf die Umrisse und musste deshalb für den 
Kopf und die Beine die Seitenstellung beibehalten, obgleich die ägyp¬ 
tischen Maler das Unwahre derselben gewiss empfunden haben. Auch 
die Griechen vermochten nur unvollkommen die Farbenmischung, die 
Perspektive, die Verkürzungen und die malerische Gruppirung der 
Gestalten und Gegenstände aus dem Realen auszulösen und als ma¬ 
lerische Elemente zu verwenden ; es war daher natürlich, dass sie hier 
im Symbolischen blieben, während sie in der Plastik das Klassische 
erreichten, und dass ihre Malerei nur eine gemalte Plastik blieb. 
27. Auch für die Musik bestanden bei den Griechen ähnliche, 
ja noch grössere Hindernisse. Das Reale bedarf in dieser Kunst an sich 
einer starken Idealisirung und nachhelfenden Komposition; ohne die
        

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