Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aesthetik auf realistischer Grundlage. Band 2
Person:
Kirchmann, Julius Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39656/186/
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Die Eintheilung der Kunstwerke. 
so bleibt die Malerei jetzt neben der Landschaft und dem historischen 
Bilde vor allem auf das Genre angewiesen. 
24. Während der reinen Landschaft das Komische abgeht, fehlt 
dem Genre das Sittlieh-Erhabene. Wo sie bèide Stimmungsbilder sind, 
können sie sich verbinden. Sehr viele Gemälde zeigen solche aus 
Landschaft und Genre gemischte Stimmungsbilder. Ausruhende Schnitter, 
oder Jäger; das Melken der Kühe; spielende Kinder ; Räuber in ihrem 
Versteck; Bettler, Mönche innerhalb einer, diesen Situationen entspre¬ 
chenden und vollständig ausgeführten Landschaft. Beide Stoffe, der 
Mensch und die Landschaft sind hier gleich bedeutend und unter¬ 
stützen in solchen Gemälden einander in Deutlichkeit und Ausdruck. 
Dagegen kann, wie früher gezeigt worden, das Handlungsbild mit der 
Landschaft nicht verbunden werden; wo es versucht wird, sinkt die 
Landschaft zur Staffage herab oder das Handlungsbild verliert seine 
Bedeutung. 
25. Die architektonische Malerei verdient nicht als eine 
besondere Gattung behandelt zu werden. Es ist schon früher (I. 255) 
bemeikt, dass hiei entweder eine unzulässige doppelte Idealisirung 
statt hat, odei dass das Gemälde zur blossen Kopie des Bauwerkes 
herabsinkt. Durch die Lichteffekte, durch den Farbenton und durch 
Einfügung von menschlichen Stimmungsbildern kann der Maler diese 
Mängel zwar mildern, aber nicht ganz beseitigen. Eine besondere 
Kunstgattung aus diesen Gemälden zu bilden, liegt daher kein Grund 
vor. Das Portrait gehört in das verzierende Schöne. » 
26. In der Plastik tritt das Handlungsbild nur noch im Relief 
und in den Statüen-Gruppen auf, welche letztere indess bei der grossen 
Schwierigkeit ihrer Ausführung selten sind. Es überwiegt hier das 
Stimmungsbild, selbst in den Reliefs, die sich meist mit Festzügen, 
Opferm, Triumphen und andern Situationen befassen. Das Schöne ist 
hier gewöhnlich ein Erhabenes ; Götter, Fürsten, Priester, Aufzüge des 
Volkes. Bei den beschränkten Mitteln dieser Kunst kann sie weder 
die Landschaft, noch die malerische Gruppirung des Genre für ihre 
Stimmungsbilder benutzen; sie muss sich deshalb mehr auf allgemein 
bekannte Persönlichkeiten beschränken, wo die Kenntniss des Be¬ 
schauers für die Bedeutung helfend eintritt. Dies sind die Götter, 
die Propheten, die bürsten und Heroen. Die Mehrzahl der plastischen 
Werke hat daher einen erhabenen Inhalt, welchem auch die feste 
und unvergängliche Natur ihres Materiales entspricht. 
27. In den, durch lebende Personen dargestellten plastischen 
Werken fallen die Schwierigkeiten, welche das todte Material bereitet, 
hinweg; hier wird die Bewegung zum hervortretendsten Elemente und
        

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