Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aesthetik auf realistischer Grundlage. Band 2
Person:
Kirchmann, Julius Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39656/157/
Das Stimmungsbild im Kunstwerk. 
153 
gemeine Weltlage anzugeben, in der die Handlung vor sich geht. 
Durch die sinnliche Anschaulichkeit seiner Bilder kann er die Um¬ 
gebung, die Bäume, das Geräthe, die Waffen, die Wohnungen und 
alles, was zur Bezeichnung der natürlichen und sittlichen Zustände 
gehört, leichter und bestimmter bieten, als es dem Dichter möglich ist. 
3. Das Stimmungsbild. 
1. Der Begriff des Stimmungsbildes und sein Unterschied gegen 
das Handlungsbild ist früher (I. 152) dargelegt worden. Das Stim¬ 
mungsbild hat keine weiten und fern liegenden Ziele, keine Reihe ver¬ 
wickelter Mittel ; es kann wohl die Bewegung und selbst das Handeln 
in sich aufnehmen, aber nur so, dass diese Bewegung oder Thätigkeit 
schon als solche das Ziel ist, wie z. B. bei dem Tanzen, oder dass 
das Ziel unmittelbar daran stösst und keine besondere Anstrengung 
zu seiner Erreichung fordert, wie z. B.: die Jagd auf Hasen, das 
Mähen des Getreides. 
2. Die Mehrzahl der Stimmungsbilder haben nur Gefühle schwä- 
chern Grades zu ihrem Inhalte; denn die heftigem Gefühle treiben 
in der Regel zu Handlungen. Nur wo die Natur des Gefühles oder 
die Umstände keine Handlung gestatten, können auch im Stimmungs¬ 
bilde die Gefühle zu einem hohen Grad ansteigen ; so bei den Scenen 
der Märtyrer, der Sterbenden, des Begräbnisses, des Abschiedes; so 
bei den freudigen Scenen des Wiedersehens, eines plötzlichen Glücks¬ 
falls u. s. w. 
3. Das Gebiet der einfach schönen Stimmungsbilder liegt vor¬ 
zugsweise auf der Oberfläche des Lebens; in den alltäglichen, immer 
wiederkehrenden Verhältnissen der Familie, des Erwerbens und Ge- 
niessens; in der Erfüllung der einfachen Pflichten des Berufes und 
Amtes. Dies Gebiet ist unerschöpflich, zumal auch bedeutungslose 
und gleichgültige Thätigkeiten durch besondere Beziehungen, welche 
der Künstler hervorhebt, mit einem Gefühle erfüllt und damit zu 
einem Seelenvollen und zum Stoffe eines Kunstwerkes erhoben werden 
können. Dichter und Maler haben in künstlerischer Behandlung von 
solchen Stoffen gewetteifert. Spinnen, Nähen, Kochen, Pflügen, Sägen 
und unzählige andere, an sich bedeutungslose Thätigkeiten des täg¬ 
lichen Lebens sind auf diese Weise zum Stoff für zierliche Genre- 
Bilder oder Lieder erhoben worden. 
4. Auch das Erhabene kann den Inhalt des Stimmungsbildes 
abgeben. Insoweit ein Erhabenes nicht mit einem andern Erhabenen 
gleicher Macht in Widerstreit gebracht wird, ist sogar das Stimmungs-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.