Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aesthetik auf realistischer Grundlage. Band 1
Person:
Kirchmann, Julius Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39655/59/
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Du Kunetecböne. 
Römer sind noch vorhanden: die epischen des Virgil und Lacan; die 
lyrischen des Ovid, Horaz Catall, Persias, Juvenal; die dramatischen 
des Plautns, Terenz und Seneca. 
13. Im Mittelalter erhoben sich die provenzalischen Dichter bei 
den romanischen und die. nordischen Dichter bei den germanischen 
Völkern. Die Edda und die Niebelungen gehören zu ihren bedeu¬ 
tendsten Werken. Später glänzte bei den Italienern Dante, Petrarca, 
Ariost, Tasso ; bei den Spaniern die Dichter des Cid, Lopez de Voga, 
Calderon, Cervantes; bei den Portugiesen Camoens, der Dichter der 
Lusiaden ; bei den Franzosen Racine, Corneille, Molière, Voltaire ; bei 
den Engländern Shakespeare, Milton; bei den Deutschen Hans Sachs, 
Geliert, Lessing, Wieland, Göthe, Schiller und Andere, filr deren 
Namen es hier an Raum gebricht. 
14. Von diesen Dichtem sind klassische Kunstwerke in allen 
Zweigen der Kunst geschaffen worden. Neben dem alten Epos erhob 
sich seit dem Mittelalter der Roman, als das moderne Epos. Neben 
der alten Tragödie und Comödie bildete sich das moderne Schauspiel 
und feinere Lustspiel aus. Die lyrische Dichtung erhielt in den Liedern 
der modernen Dichter eine glänzende Entwicklung und eine mannich- 
fachere Gestaltung, von der das Alterthum keine Ahnung hatte. In 
diesen modernen Gattungen ist die Poesie der Gegenwart vorzugs¬ 
weise thätig und neben einer Unzahl mittelmässiger und geringerer 
Leistungen bringt jedes Jahr auch Werke von hohem künstlerischen 
Werthe, welche indess bei dem Uebermaasse der Produktion nicht 
mehr die tiefe und dauernde Einwirkung auf die Nation erreichen, 
wie zu den Zeiten Göthe’s und Schiller’s. 
C, Das verzierende Schöne. 
* 
1. Das verzierende Schöne ist, wie das Kunstschöne von 
dem Menschen geschaffen, um als Schönes zu erfreuen; aber es fehlt 
ihm die Selbstständigkeit und freie Entfaltung von jenem; es dient 
nur zur Verzierung eines realen Gegenstandes oder einer realen Thä- 
tigkeit und kann sich deshalb nur so weit geltend machen, als es der 
reale Zweck gestattet. Die Aesthetik hat es deshalb nur geringschätzend 
behandelt ; allein mit Unrecht, da es immer ein Schönes ist, sein Um¬ 
fang und seine Bedeutung mit der Kultur und dem Reichthum der 
Nationen steigt und seine Rückwirkung auf das Kunstschöne von 
grosser Erheblichkeit ist. 
2. Mit dem verzierenden Schönen hat bei allen Völkern die
        

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