Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aesthetik auf realistischer Grundlage. Band 1
Person:
Kirchmann, Julius Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39655/188/
Di« Natur ala aeelenrolles Beale. 
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ist und nach den menschlichen Tönen bemessen, solches Quaken ein 
Zeichen der Dummheit und des Blödsinns sein würde. 
22. Das Warme und Kalte, das Glatte und Bauhe, das 
Weiche und Starre wirkt im Schönen wesentlich durch das Sinnlich- 
Angenehme. Im Uebrigen ist das Mässig-Warme dem Schönen ver¬ 
wandter, wie das Kalte, weil diese Temperatur dem Leben des Men¬ 
schen entspricht; jede übergrosse Hitze und Kälte ist dagegen als 
Zeichen des Ersterbens, ein Hässliches. Für das Glatte und Weiche 
gelten die gleichen Gründe, wie für das Warme. Das Starre, als Wir¬ 
kung grosser Kraft, kann erhaben wirken, wie an den Felsen und 
Eisbergen sich zeigt. 
23. Bei den, durch den Geschmack vermittelten Eigenschaften 
des Süssen, Säuern, Bittern, Salzigen, Geistigen und Fetten tritt das 
Sinnlich - Angenehme überwiegend hervor und die Bedeutung erlischt. 
Es kann deshalb von einer Schönheit im eigentlichen Sinne bei diesen 
elementaren Bestimmungen nicht geredet werden. Allein trotzdem 
werden sie von den Dichtern zur Bezeichnung des Schönen benutzt; 
sie sprechen von der »süssen Gewohnheit des Daseins«, von den 
»sauren Mühen des Tages« von »der Bitterkeit des Todes« u. s. w. 
Es ist dies nur erklärlich, wenn das Schöne, wie hier nachgewiesen 
worden, sein Wesen aus den Gefühlen ableitet; nur dann ist es verständ¬ 
lich, dass seine Erscheinung mit gttss bezeichnet und seine Lust in Wor¬ 
ten geschildert werden kann, die der sinnlichen Lust des Schmeckens 
entnommen sind. 
24. Die Gerüche sind im Vergleich mit den Geschmacks¬ 
empfindungen feinerer Art und da die Sprache wenig allgemeine 
Bestimmungen aus ihnen ausgesondert hat, so kann der Geruch, we¬ 
niger wie der Geschmack, von seinem Gegenstände abgetrennt vor¬ 
gestellt werden. Der Geruch erhält damit leichter eine Bedeutung, 
welche ihn fähig macht, als ein Schönes oder Hässliches zu gelten. 
Gilt der Gegenstand schön und ist der Geruch an sich nicht unange¬ 
nehm, so nimmt er an der Schönheit des Ganzen Theil. Deshalb gilt 
der Geruch der Bose, des Heus, des Waldes als schön, und der Ge¬ 
ruch des Aasses, des Schweisses als hässlich. 
25. Nachdem die Grundlage der Schönheit bei den Elementen 
gefunden worden, wird die Frage nach der Grundlage der Schönheit 
bei den unorganischen Gebilden und bei den Pflanzen sich 
leicht beantworten lassen, da sie sich aus jenen Elementen zusammen¬ 
setzen und ihre Schönheit sich wesentlich aus der Schönheit dieser 
Elemente ableitet. So ruht die Schönheit der Edelsteine auf der 
Schönheit ihrer Farben und ihres Glanzes; die Schönheit des Hirn-
        

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