Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Psychologie des Massenmords: Hauptlehrer Wagner von Degerloch; eine kriminalpsychologische und psychiatrische Studie / von Robert Gaupp
Person:
Gaupp, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39653/49/
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Der Fall Wagner. 
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jauchzte ich hoch auf. Meine Stimme suchte den Donner zu übertäuben, 
und mein Arm reckte sich herausfordernd gegen den Blitzstrahl. So zer¬ 
schmettere mich, wenn du kannst! Aber du kannst ja nicht. Hat dich der 
Baum gehöhnt, den du fällst, das Scheuerlein, das du zündest ! Neben solchen 
Ausbrüchen leidenschaftlicher Wildheit die müdeste Lehnstuhlapathie, die 
ans Schlafen und Sterben denkt. Heine ist also schuld daran, wenn ich 
unter die Poeten ging.“ 
Nun folgen Ausführungen über seine formale Abhängigkeit 
von Heine, über die Pflicht literarischer Ehrlichkeit, über die Ent¬ 
stehungszeit seiner Schriften. Wir erfahren dabei, daß die Schrift 
„Der alte Jehovah“ 1904 nach der Rückkehr von der Schweiz 
entstand, als er viel Haß und Verachtung gegen sich selbst gehabt 
habe, für die der alte liebe Jehovah habe als Blitzableiter herhalten 
müssen. 
„Der ist schuld, daß du da bist, sagte ich. Auch tut es ihm von allen 
Kreaturen am wenigsten weh. Ja, du tust dann gar niemanden Unrecht, 
denn den alten Jehovah, den gibts ja gar nicht. Wie kann ich einen Gott 
lästern, an den ich gar nicht glaube ? Vielmehr glaube ich mir ein Verdienst 
erworben zu haben, wenn ich die literarische Bedeutung der Bibel würdigte. 
Ich bin ein Bibelkenner und ein Bibelfreund.“ 
Nach einigen höhnischen Ausführungen über unsere deutsche 
Kolonialpolitik und über die Wertlosigkeit des Kultivieren- und 
Christianisierenwollens im Ausland, ferner über die Ideen, die seinem 
Drama „Bilder aus dem alten Rom“ zugrunde lagen, kommt er 
zum Schlüsse des ersten Teiles seiner Biographie noch auf diese 
selbst zu sprechen. Er gibt ihr den Titel „Auch Einer und sagt, 
daß sie sein Leben erkläre. Darum wünscht er ihre Publikation; 
das Anstößige könne gestrichen werden. Dann fährt er fort: 
„Fürchtet von meinen Schriften auch nicht schlimmen Einfluß auf 
andere: wahrlich: Leben, Taten und Ende des Radelstetter Schulmeisters 
werden wenig zur Nacheiferung anreizen. Ja, wenn ich beschönigen wollte, 
könnte ich das Gegenteil behaupten und sagen: Ich mußte leben und 
leiden, um die andern heilsam zu schrecken, sie herauszureißen 
. aus dem geschlechtlichen Sumpf. Ich könnte mich ebenso als ein 
Werkzeug „Gottes“, der Vorsehung, betrachten (aber dazu fehlt mir im Ange¬ 
sicht des Todes die Eitelkeit), dazu bin ich zu wenig eitel und zu viel auf¬ 
richtig. Wohl dem, der durch mich bei Zeiten gewarnt und aufgerüttelt 
wird. Aber ich kann und will nicht sagen, daß das mein Zweck gewesen sei. 
Was ist denn der Zweck? Ach, ich möchte mich selbst nicht so ganz weg¬ 
werfen, ich möchte mich immer gerne vor mir selbst und ein wenig auch vor 
Euch behaupten : es ist die liebe Eitelkeit“ . . . „David und Saul“ ist ein 
gutes, gesundes Volksstück für jedermann verdaulich. Es ist als der erste 
Teil einer Trilogie „König David" gedacht, deren zweiter Joab und dritter
        

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