Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Psychologie des Massenmords: Hauptlehrer Wagner von Degerloch; eine kriminalpsychologische und psychiatrische Studie / von Robert Gaupp
Person:
Gaupp, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39653/3/
Einleitung. 
Die Veröffentlichung des Falles Wagner in den „Verbrecher¬ 
typen'' beruht auf der schon in der Einleitung zum i. Heft aus¬ 
gesprochenen Tendenz, eigenartigen Persönlichkeiten nicht aus dem 
Wege zu gehen. Und eine solche merkwürdige Persönlichkeit ist, 
wie die folgende Studie zeigt, Wagner gewiß. Er hat nicht nur eine 
Individualität, die sich von frühester Kindheit an als auffällig erweist, 
sondern er leidet später an einer ausgesprochenen geistigen Er¬ 
krankung. Dies würde ihn unter anderen Umständen gleichsam 
der Betrachtung der Allgemeinheit entziehen und ihn in das Spezial¬ 
gebiet psychiatrischer Forschung verweisen, wenn nicht seine Tat 
mit ihrer Ungeheuerlichkeit die Interessen der Allgemeinheit aufs 
schwerste geschädigt, die Aufmerksamkeit weitester Kreise erregt 
und die Leidenschaften der öffentlichen Meinung entfesselt hätte. 
Aber abgesehen von dieser Aktualität des Falles empfiehlt noch ein 
anderer Umstand die literarische Festlegung. Das ist die außer¬ 
ordentliche Reichhaltigkeit der vorliegenden Materiahen, auf Grund 
deren (zusammen mit der eigenen Beobachtung) der Bearbeiter des 
Falles so tiefe Einblicke in die seelische Entwickelung Wagners tun 
und eine solch umfassende Darstellung seiner Persönlichkeit geben 
konnte, wie kaum jemals ein Forscher zuvor. 
Zudem kann man den Lehrer Wagner keineswegs als eine Rarität 
in dem Sinne bezeichnen, daß er seine Tat als ein Ergebnis seiner 
geistigen Erkrankung verübt habe, während die sonst bekannt 
gewordenen Massen- und Famüienmörder aus normalen Motiven 
gehandelt hätten. Im Gegenteil, wenn man die hierher gehörige 
Literatur verfolgt — wir geben im Schlußwort darüber Nachweis 
und Aufschluß —, findet man in der Mehrzahl sichere geistige Er¬ 
krankungen als Ursache der Mordtaten; in zweiter Linie folgt eine
        

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