Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Psychologie des Massenmords: Hauptlehrer Wagner von Degerloch; eine kriminalpsychologische und psychiatrische Studie / von Robert Gaupp
Person:
Gaupp, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39653/195/
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Der Fall Wagner. 
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Protokolle, sowie auf den übrigen Akteninhalt, soweit er für das 
Gutachten in Betracht kommt, wird erst später eingegangen wer¬ 
den, um Wiederholungen zu vermeiden. An dieser Stelle beschränke 
ich mich auf eine kurze Darstellung des äußeren Lebensganges 
Wagners und auf eine Darlegung der Beweggründe seiner ver¬ 
brecherischen Taten, wie sie sich aus den Akten ergeben. 
Emst August Wagner ist geboren am 22. September 1874. 
Seine Eltern sind tot, mehrere Geschwister leben ; über die Gesund¬ 
heitsverhältnisse der Familie wird unten das Notwendige bemerkt 
werden. Wagner hat die Präparandenanstalt in Nürtingen und 
das Lehrerseminar in Eßlingen besucht, die erste Dienstprüfung 
im Frühjahr 1894 mit IIa bestanden und im August bis Oktober 
1895 seiner Militärpflicht genügt, übrigens in den Jahren 1897, 
1901 fund 1904 auch pflichtmäßige Übungen gemacht. Er war 
dann an verschiedenen Orten Württembergs als Lehrgehilfe, Lehr¬ 
amtsverweser und Hilfslehrer tätig. Von Februar ab bis April 1900 
war er Lehrerstellvertreter in Plieningen; von hier aus beantragte 
er am 12. April 1900 einen halbjährigen Urlaub auf Grund eines 
Zeugnisses des inzwischen verstorbenen Ludwigsburger Arztes 
Dr. Plaut, welcher als Erscheinungen hochgradiger Nervosität sehr 
beschleunigte Herztätigkeit und stark erhöhte Sehnenreflexe fest¬ 
stellte. Er erhielt 2 Monate Urlaub, verbrachte diesen aber nicht 
in Eglosheim (s. unten). Nachdem er am 21. Juni 1900 sich der 
Behörde wieder zur Verfügung gestellt hatte, fand er Verwendung 
in Strümpfelbach, Schorndorf und Lorch und wurde Juli 1901 
Unterlehrer in Mühlhausen. Hier blieb er bis zum November 1902, 
also etwa ä/4 Jahr. Im November 1901 bestand er die zweite Dienst¬ 
prüfung. Vom 15. November bis 2. Dezember 1902 war er vom 
Dienst suspendiert wegen seines Verhältnisses mit seiner späteren 
Frau. Vom 10. Dezember 1902 bis Juli 1903 war er Amtsverweser 
in Radelstetten, wurde dann Hauptlehrer daselbst und verheiratete 
sich im Dezember 1903. In Radelstetten blieb er bis zum 1. Mai 
1912, also fast 10 Jahre, und wurde dann als Hauptlehrer nach 
Degerloch versetzt. Von Radelstetten aus bewarb Wagner sich 
im Jahre 1909 um 6, im Jahre 1911 um 4 andere Stellen. Der 
Ehe sind 5 Kinder entsprossen, nämlich 2 Töchter, davon die 
ältere Klara bereits im Februar 1903 geboren und nachträglich 
legitimiert, die jüngere Martha, geboren den 17. Oktober 1904; 
ferner 3 Söhne, Robert, geboren den 22. Oktober 1906, Richard,
        

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