Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Psychologie des Massenmords: Hauptlehrer Wagner von Degerloch; eine kriminalpsychologische und psychiatrische Studie / von Robert Gaupp
Person:
Gaupp, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39653/134/
321] 
Der Fall Wagner. 
135 
Wagner: Das war in der ersten Zeit meines Mühlhausener Aufent¬ 
halts, also im Jahre 1901. 
Ich: Haben Sie Ihre Frau damals schon gekannt? 
Wagner: Ja, ich habe sie schon gekannt. 
Ich: Wann bemerkten Sie, daß über Sie und Ihre Vergehen ge¬ 
schwätzt wurde? 
Wagner: Unmittelbar, nachdem ich es getan habe, tags 
darauf. 
Ich: Warum haben Sie sich nicht fortgemeldet? 
Wagner: Ich habe mein Examen machen wollen, dann habe ich ge¬ 
dacht, ich werde von selbst wegkommen. Es ist mir dann wieder oft so 
gewesen, daß ich wieder irre geworden bin, so daß ich mir gesagt habe, es 
müßte mir erst deutlicher gemacht werden. Den Gedanken habe ich immer 
gehabt, daß die Leute es nicht ganz bestimmt wüßten: so gewiß, daß du es 
wirklich getan hast, kann Dir’s keiner beweisen. 
Ich: Woran haben Sie zuerst gemerkt, daß über Sie geredet wurde? 
Wagner: Diese Frage geht mir schon wieder zu tief . . . Die Reden 
habe ich auf der Straße und im Wirtshaus gehört. Mein Name ist natürlich 
nicht genannt worden. 
Ich: So war es also ein unbestimmtes Gerede? 
Wagner: Ich habe es natürlich nie anders ausgelegt. ... Es kam in 
Mühlhausen kaum mehr als ein halb dutzendmal vor, daß ich es gehört habe. 
Ich: Und wann haben Sie in Radelstetten Derartiges gehört? 
Wagner: Jetzt vor etwa 4 Jahren habe ich es in Radelstetten wieder 
gehört. Vorher nicht. (Auf weitere Fragen bestätigt mir Wagner, er werde 
in Radelstetten etwa 7 Jahre lang nichts wahrgenommen haben.) 
Wagner: Ich bin etliche Male drunten in Mühlhausen gewesen zu Be¬ 
such und da meine ich wieder, daß ich die Dinge gehört habe. . . . Ich 
habe mir dann oft wieder gesagt, du solltest oft nach Mühlhausen hinunter¬ 
gehen, sonst .denken die Leute, der hat ein schlechtes Gewissen. 
Ich: Wie oft kamen Sie von Radelstetten nach Mühlhausen? 
Wagner : Das kann ich nicht einmal genau sagen, vielleicht drei- oder 
viermal. 
Ich: Und dabei haben Sie solche Wahrnehmungen gemacht? 
Wagner: Ja. Ich glaubte oft bei den Menschen, wenn ich ihnen den 
Rücken kehrte, ein Deuten zu merken oder ein Lächeln und Hohnlächeln 
im Gesicht. 
Ich: Ja wußten denn die etwas Bestimmtes? 
Wagner: Wenn sie es auch nicht gewiß wissen, so vermuten sie es. 
Ich: Waren es nur bestimmte Personen, die davon wußten? 
Wagner: Ich nahm an, daß jeder Erwachsene, jeder Mann es wisse. 
Ich: Auch die Frauen? 
Wagner : Ja, ich nahm auch von ihnen an, daß sie es wissen. 
Ich : Haben Sie auch bei Frauen solche Andeutungen wahrgenommen ? 
Wagner: Nein bei Frauen nicht. 
Ich: Wußten es in Radelstetten auch bestimmte Personen?
        

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