Bauhaus-Universität Weimar

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Der ästhetische Zustand des Subjektes, 
was der Gegenstand ist, mit anderen Worten, daß ihm 
das Subsumptionsurteil dispositionell zur Verfiigung 
steht. Auch wird es nicht schwer sein Fälle ausfindig zu 
machen, in denen dieses Urteil sogar aktuell ins Bewußt-, 
sein tritt, in denen also der Beschauer tatsächlich den 
Gedanken von der Gattungszugehörigkeit des Gegenstandes 
) 
auslöst, wie es etwa im obigen, der Analyse zugrunde ge¬ 
legten Beispiele in der Form des flüchtig durchs Bewußt¬ 
sein huschenden Klangbildes „Pferd“ die Regel sein wird;, 
denn damit ist ja die Erkennung oder Benennung meist 
bereits gegeben. Man wird aber nicht sagen können, daß 
dieses Urteil für das Zustandekommen des ästhetischen 
Gefühles notwendig im Bewußtsein aktualisiert sein muß. 
Es spielt im ganzen Vorgänge eine untergeordnete, zu¬ 
fällige Rolle, und der Zusammenhang zwischen ihm und 
dem Gefühle ist augenscheinlich ein höchst loser. Das 
lehren am deutlichsten solche Fälle, in denen es über¬ 
haupt fehlt. Ein wohlgebildetes, frisch und gesund aus¬ 
sehendes Menschenantlitz erweckt unmittelbar ästhetische 
Freude, ohne daß dabei erst der Gedanke, daß das Ge¬ 
sehene ein Mensch sei, dem Beschauer ins Bewußtsein 
kommen müßte. Der Anblick des schiefen Turmes mi߬ 
fällt, ob nun dabei das Urteil, ,,das ist ein Turm“ ausge¬ 
löst wird oder nicht. Das gleiche zeigt sich an den 
meisten übrigen der seinerzeit vorgeführten Beispiele. 
Was für ein Urteil sollte es auch sein, dessen es bedarf, 
wenn unser Mißbehagen so ganz spontan auf Inkorrekt¬ 
heiten der Rede oder auf gewisse Unarten beim Essen 
reagiert ?
        

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