Bauhaus-Universität Weimar

Der ästhetische Zustand des Subjektes. 
77 
musikalischen Instrument zu Gehör bringen. Ebenso läßt 
sich ohne besonderen Aufwand psychischer Arbeit die 
Figur vorstellen, welche „durch symmetrische Übereinander¬ 
legung zweier kongruenter gleichseitiger Dreiecke mit 
Höhenrichtungs- und Mittelpunktsdeckung“ entsteht 5 wenn 
man nur weiß, was Symmetrie, Kongruenz usw. sind, stellt 
man damit einen ganz bestimmten Gegenstand vor, allerdings 
nur unanschaulich, indem man die Bedeutung der Wörter, 
die soeben zu seiner Bezeichnung verwendet wurden, in 
der angegebenen Verbindung miteinander denkt. Man 
braucht dabei gar nicht zu wissen oder darauf zu kommen, 
daß dieser Gegenstand identisch ist mit dem, der sich 
anschaulich als jener wohlbekannte regelmäßige sechs¬ 
zinkige Stern darbietet, dessen Bau so übersichtlich und 
klar, und dessen Anblick so wohlgefällig ist. 
Die vorgeführten Beispiele lassen erkennen, daß von 
den beiden Arten von Vorstellungen nur die 
anschaulichen als Voraussetzung ästheti¬ 
scher Gefühle in Betracht kommen. Die Ge¬ 
stalt der Ellipse gewährt einen ästhetisch erfreulichen An¬ 
blick, die Gleichung, in der die analytische Geometrie 
dieselbe Gestalt dem Intellekt zu erfassen bietet, regt das 
ästhetische Gefühl weder nach der einen noch nach der 
anderen Richtung an.'*3’’) Ob nun die unanschaul-ichen 
Vorstellungen überhaupt jemals als ausschließliche Gefühls¬ 
voraussetzung fungieren, mag hier dahingestellt bleiben. 
*) Freilich ist im Falle, daß die Ellipse durch die Gleichung 
gedacht wird, auch der immanente Gegenstand nicht mehr „Gestalt 
im Sinne der 2. Klasse der Elementargegenstände.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.