Bauhaus-Universität Weimar

Die ästhetische Norm. 
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man gerade völlige Proportionalität wird nachweisen 
können. Wird das ästhetische Verhalten unlustbetont, so 
kehrt sich auch der Wert in Unwert und es bleibt wohl 
auch von dem ethischen Werte, *) der dem Ästhetischen 
im allgemeinen anhaftet, nicht mehr viel übrig. — 
Auch die Angelegenheit des Stiles steht mit der 
* 
ästhetischen Norm in einigem Zusammenhänge. 
Der Terminus „Stil“ diente ursprünglich und dient in 
der Sprache des gewöhnlichen Lebens auch heute noch 
zur Bezeichnung einer handgreiflichen Tatsache, die auf 
ästhetischem Gebiete eine auffallende Rolle spielt. Die 
Theorie hat sich jedoch seiner vielfach für ihre Interessen 
bemächtigt und ihm die verschiedensten, meist verallge- 
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meinernde, oft recht abstrakte Deutungen gegeben. Hier 
soll es sich nicht darum handeln diesen Deutungen, 
sondern nur den Erfahrungstatsachen nachzugehen, denen 
der Stilbegriff Rechnung zu tragen hat. 
Diese Erfahrungstatsachen finden sich ausschließlich 
im Gebiete der künstlichen Erzeugnisse des Menschen. 
Naturdingen gegenüber spricht man, auch wenn sie noch 
so sehr Gegenstand ästhetischer Betrachtung sind, von 
Stil nur in unverkennbar übertragenem Sinne. Dagegen 
sind die Tatsachen, bei denen der Ausdruck direkte An 
wendung findet, leicht aufzuzeigen. 
Wie sehr sie zutage liegen, sei an konkreten Bei¬ 
spielen nachgewiesen. Zwei architektonische Kunstwerke, 
*) Vgl. darüber nächstes Kapitel.
        

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