Bauhaus-Universität Weimar

Die ästhetische Norm. 
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direkt sondern nur in den Äußerungen der Subjekte 
vorliegt. Wenn nun ein Subjekt sagt „dieser Gegenstand 
ist schön", oder „dieser Gegenstand gefällt mir“, so kann 
diese Äußerung insoferne irreführend sein, als sie durch¬ 
aus nicht auf einem ihr entsprechenden ästhetischen Ge¬ 
fühle zu beruhen braucht. Der Betreffende tut wohl so, 
als ob er das ästhetische Gefühl hätte, hat es aber in 
Wahrheit vielleicht gar nicht. Das wird freilich nur in 
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den allerseltensten Fällen beabsichtigte Täuschung sein, 
es gibt genug andere Umstände, die dazu führen. Ent¬ 
weder ist das Subjekt von dem Gegenstände gefühlsmäßig 
überhaupt nicht affiziert und glaubt nur es zu sein, etwa 
auf die Autorität anderer hin, die es zu sein vorgeben, 
oder weil er selbst zu anderer Zeit das ästhetische Gefühl 
erlebte. Das ist der Fall der geurteilten oder erurteilten 
Schönheit im Gegensatz zur gefühlten („empfundenen“). 
Oder es erlebt bei dem Gegenstände wirklich ein Gefühl, 
aber dieses Gefühl ist kein ästhetisches, sondern ein 
anderes, etwa ein ethisches, vielleicht auch nicht einmal 
von der Vorstellung des Gegenstandes kausal hervorge¬ 
rufen, sondern von anderwärts irrig auf ihn übertragen, 
oder auch dem Subjekte von einem anderen, von den 
Umständen aufsuggeriert. Alle diese verschiedenen Mög¬ 
lichkeiten, deren jede ihre besondere hochinteressante 
Psychologie hat, sind im Leben tausendmal verwirklicht 
und bilden ebensoviele unmaßgebliche, deshalb auszu¬ 
schaltende Instanzen, im Gegensätze zu den einzig in Be¬ 
tracht kommenden Fällen, in denen das ästhetische Gefühl
        

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