Bauhaus-Universität Weimar

Pseudoästhetische Genußfaktoren. 
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Unter den pseudoästhetischen Genußfaktoren ist als 
einer der wichtigsten auch das Gefühl der Komik anzu¬ 
führen. Man verkennt die Natur dieses Gefühles, wenn 
man es, wie herkömmlich, den ästhetischen Gefühlen selber 
zuzählt; denn es ist von wesentlich anderer Art wie diese. 
Wenn man sich in seichter Gesellschaft, um einander an¬ 
genehm zu sein, aus Mangel an etwas Besserem mit 
komischem Gebahren und an beständigem Witzeln unter¬ 
hält, so gibt das ebensowenig einen ästhetischen Genuß, 
als man sich einen solchen etwa von einer Posse — in 
der ja die Komik das oberste Gesetz ist — erwartet. Die 
bloße Komik ist nicht ästhetischer' Natur. Sie ist jedoch 
für die Ästhetik dadurch von Bedeutung, daß sie, wie 
gewöhnliche Erfahrung lehrt, überaus geeignet ist, die 
ästhetische Genußstimmung unterstützend zu erhöhen. Es 
soll daher in Kürze angedeutet werden, von welcher Art 
sie ist. 
Das Gefühl der Komik ist zunächst ein Lustgefühl. 
Dies ist notwendig zu betonen, nachdem neuerdings von 
gewichtiger Seite behauptet wurde, die Komik gehöre der 
Linie zwischen reiner Unlust und reiner Lust an und könne je 
nach Umständen sowohl in diese wie in jene übergehen. 
Wenn z. B. „jemand, der wichtige Verpflichtungen mit 
viel Selbstbewußtsein übernommen hat, im letzten Momente 
sich feige zurückzieht“, so entsteht „ein Gefühl der Komik, 
das von reiner Unlust sich beliebig wenig unterscheidet.“*) 
Aber genauer genommen sind es zwei Gefühle, mit 
*) Lipps, Komik und Humor, Hamburg 1898, S. 4 t.
        

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