Bauhaus-Universität Weimar

2 6 2 
Pseudoästhetische Genußfaktoren. 
kable, zerrissene Wände und zackige, grotesk geformte 
Kämme. 
Das Charakteristische bietet also dem Subjekt be¬ 
sonders günstige Bedingungen des Erkennens. Und darin 
liegt zum einen Teil seine Bedeutung als Lustquelle. 
Denn das Erkennen und Wiedererkennen ist Erteilen. 
Wenn das Urteilen besonders leicht, bestimmt und sicher 
von statten geht, ist es mit Lust verbunden — voraus¬ 
gesetzt, daß das jeweilige Urteil nicht zu alltäglich und 
nichtssagend ist, seine lusterregende Wirkung nicht durch 
Abstumpfung bereits verloren hat. Einem charakteristischen 
Bilde gegenüber kommt man besonders leicht zur Ei- 
kenntnis dessen, was es darstellt : daher seine Lustwirkung. 
Sie ist ein Urteilsaktgefühl • also kein ästhetisches. Als 
pseudoästhetischer Lustfaktor ist sie jedoch von größter 
Bedeutung. 
Es ist klar, daß das Charakteristische häufig mit ge¬ 
lungener Nachahmung und mit Wertschönheit zusammen¬ 
trifft. Dann summieren sich die Lustwirkungen und dei 
Erfolg kann erstaunliche Höhe erreichen. Wollte man 
Beispiele dafür bringen, so wüßte man nicht, womit be 
ginnen, wo aufhören. 
Der geschilderte Weg ist aber nicht der einzige, auf 
dem das Charakteristische zu Lustbedeutung gelangt. Es 
wird im nächsten Kapitel noch einmal von ihm die Rede 
sein müssen.*) — 
*) Siehe Abschnitt IV, I.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.