Bauhaus-Universität Weimar

Der ästhetische Zustand des Subjektes. 
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fühle die gleiche Voraussetzung haben sollen, nicht ab¬ 
zusehen, worin denn eigentlich ihre tiefgehende Ver¬ 
schiedenartigkeit begründet wäre. 
Man kann sich demgegenüber nicht etwa dadurch 
helfen, daß man meint, nur auf die wirkliche Welt rea¬ 
giere man mit eigentlichen Wertgefühlen, während die 
bloß fingierte, die Welt der Phantasie, ästhetische Gefühle 
errege. Denn das hieße nichts anderes, als daß die Wert¬ 
gefühle Urteile, die ästhetischen Gefühle Annahmen zur 
Voraussetzung haben. Das stimmt nun schon einmal da¬ 
mit nicht, daß die Annahmegefühle immer nur Phantasie¬ 
gefühle sind — als solche sind sie ja gerade durch ihre 
der Phantasie entstammende Voraussetzung charakte¬ 
risiert*) — während die ästhetischen Gefühle doch wohl 
als wirkliche, als Ernstgefühle anzuerkennen sein werden. 
Außerdem aber träfe diese Teilung gar nicht mit den 
tatsächlichen Verhältnissen zusammen. Denn erstens sind 
auch die Annahmen unter Umständen Voraussetzung von 
Wertgefühlen, natürlich nicht von Ernst-, sondern von 
Phantasiewertgefühlen. **) Daß mir mein Bruder heb und 
teuer ist, das fühle ich nicht nur, wenn ich an ihn, d. h. 
an seine Existenz denke, sondern auch wenn ich mir 
denke, daß ich ihn verlöre. Dies zweite ist eine Annahme, 
und das dabei sich auslösende Unlustgefühl ist wohl Phan¬ 
tasie-, aber doch Wertgefühl. Andererseits ist auch, wo 
man wirklich urteilt, ästhetisches Verhalten durchaus nicht 
*) Vgl. die Ausführungen S. 113 ft.. 
**) Vgl. Meinong, Über Annahmen, S. 249 ff. 
Witasek, Grundzüge der allgemeinen Ästhetik. 
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