Bauhaus-Universität Weimar

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Der ästhetische Zustand des Subjektes. 
tischem Genüsse überhaupt, die sich freilich als „Spannung“ 
insofern verschieden erweist von jenem der gleichen 
Wurzel entspringenden Zustande, in dem man das Buch 
das erste Mal zur Hand genommen und die Lektüre be¬ 
gonnen hat, als man jetzt erwartet, der bereits zur Kennt¬ 
nis genommene bruchstückhafte Teil werde durch den 
noch ausstehenden anderen zu einem um so genußvolleren 
Ganzen vervollständigt werden. Dann aber hat man ja 
auch bereits Interesse und Anteil an den Gestalten der 
Erzählung gewonnen und will nun natürlicherweise, ohne 
Rücksicht auf den ästhetischen Genuß, ihr weiteres Schick¬ 
sal wissen. 
Dieses den Kern der Spannung darstellende Ernst¬ 
begehren kann an sich noch nicht als ästhetischer Genuß 
oder Komponente desselben betrachtet werden; es steht 
nur in kausalem Zusammenhang mit ihm und ist bezüg¬ 
lich seiner Intensität zum Teil von der des Genießens be¬ 
stimmt. Wer ins Theater zu gehen verlangt, befindet 
sich ja auch noch nicht im Zustande des ästhetischen 
Genusses. 
Erst durch die anderen psychischen Vorgänge, die sich 
um diesen Kern gruppieren und die der beschaulichen 
Hingebung an den Gegenstand näher stehen, kommt die 
Spannung in den Bereich ästhetischen Verhaltens. Dies 
gilt zunächst von den bereits besprochenen Anteilsgefühlen, 
welche ja ersichtlich mit dem in der Spannung steckenden 
Ernstbegehren in Wechselwirkung stehen. Dazu kommt 
aber als etwas Neues ein gewisses Kontingent von Phantasie¬ 
begehrungen und Vermutungsannahmen, die sich auf das
        

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