Bauhaus-Universität Weimar

Der ästhetische Zustand des Subjektes. 
I 2 I 
auch, besonders in seinem negativen Teile, schon mehrfach Zu¬ 
stimmung gefunden. Sehr wertvoll ist in dieser Beziehung das be¬ 
reits erwähnte Werk Konrad Langes „Das Wesen der Kunst“, in 
welchem er des öfteren seine überreiche Erfahrung gegen die 
Ansicht, daß die Einfühlung wirkliches, aktuelles Fühlen sei, (die 
„Aktualitätsansicht“) mit Glanz zu Felde führt. (Vergl. bes. I. Bd. 
S. 94 ff. u. S. 135'ff.) Allerdings hält er Phantasiegefühl und Vor¬ 
stellung des Gefühls nicht auseinander : aber seiner Widerlemino- 
der Aktualitätsansicht tut das keinen Abbruch. Nur Lipps tritt 
meiner Ablehnung derselben ausdrücklich entgegen und betont 
neuerdings, daß jedes Wort in voller Strenge zu nehmen sei, wenn 
er sagt „Ich fühle mich strebend in der Säule“. Wie dieses „in 
der Säule“ zu verstehen ist und wie daran unbedingt ein Vorstellen 
beteiligt ist, davon werde ich weiter unten (§ 3 u. 4) Rechenschaft 
geben. Andererseits dürfte die Berücksichtigung der Mitwirkung 
von Phantasiegefühlen und Phantasiebegehrungen der Ansicht Lipps 
doch näher stehen, als er glaubt, da es scheint, daß er Phantasie¬ 
gefühl mit Annahme mißverständlicherweise verwechselt. (Zeitschr. 
f. Psychol, u. Physiol, d. Sinnesorgane, Bd. 31, S. 76 f. Vgl. auch 
die neuerliche Darlegung seiner Anschauungen im Archiv f. d. ges. 
Psychologie I, S. 185 ff.) In dem Hinweis auf die Mitwirkung 
der Phantasiegefühle liegt nun auch die Ergänzung, die ich in der 
vorliegenden Darstellung meiner damaligen Analyse der Einfühlung 
hinzufüge. Mit dieser Ergänzung dürfte den Bedenken hinlänglich 
Degegnet sein, die gegen den positiven Teil meiner Aufstellungen 
von einigen Seiten, so von C. Groos (Der ästhetische Genuß, Gießen 
1902, S. 209) und Külpe (brieflich) erhoben wurden, und die in 
der Hauptsache dahin gehen, daß ein anschauliches Vorstellen von 
Gefühlen nicht denkbar-sei, zum mindesten psychologisch näher be¬ 
schrieben werden müßte. Denn die Tatsächlichkeit der Phantasie¬ 
gefühle ist nun wohl außer Frage, und die innere Wahrnehmung 
liefert natürlich eine anschauliche Vorstellung von ihnen. Auch 
Volkelt nähert.sich in seinem letzten, der Einfühlung gewidmeten 
Aufsatze (Zeitschr. f. Philosophie, Bd. 121, S. 201 ff.), meine frühere 
Analyse kritisch besprechend, wesentlich dem Inhalte der obigen 
Darlegungen, wenn auch der Differenzpunkte immer noch genug be¬ 
stehen bleiben. Leider ist es mir an dieser Stelle nicht mehr mög¬ 
lich darauf näher einzugehen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.