Bauhaus-Universität Weimar

Der ästhetische Zustand des Subjektes. 
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zeigen, sind, wie wir gesehen haben, gleichzeitig Träger 
eines besonderen Wertes. Sie erregen also, wenn sich die 
übrigen Bedingungen, besonders das Urteil dazu einfinden, 
ein Wertgefühl, sind aber, bleiben diese aus, doch auch 
von daher mit einer emotionalen Betonung verknüpft. 
Das stimmt vollständig mit dem Ergebnis der Analyse, 
welches besagt, daß der ästhetische Genuß an gattungs¬ 
mäßigem Schönen die anschauliche Vorstellung des Gegen¬ 
standes und weiter nichts als ein Gefühl enthält, das neben 
dem ursprünglichen, der Gestalt als solcher zugewendeten 
Gefühl auf eben dieselbe aber zu Gattungsgemäßheit, Zweck¬ 
mäßigkeit in irgend eine Beziehung gesetzten Gestalt ge¬ 
richtet ist. Diese Beziehung und ihre Bedeutung für den 
psychischen Vorgang ist nunmehr aufgeklärt. Sie besteht, 
ist wirksam und maßgebend für den ästhetischen Genuß, 
aber nur als unbewußte Nachwirkung. Auch das ästhe¬ 
tische Gefühl für gattungsmäßige Schönheit ist, im aktu¬ 
ellen Bewußtseinszustand betrachtet, bloßes Vorstellungs¬ 
gefühl. 
Da an Stelle des Urteils auch eine Annahme als Vor¬ 
aussetzung eines Wertgefühles treten kann natürlich 
unter den charakteristischen Veränderungen, die daraus 
für das Wertgefühl resultieren — so leistet dieselbe Er¬ 
klärung auch dort ihre Dienste, wo von dem entspiechen- 
den Urteil keine Rede ist. Der Anblick des schiefen 
Turmes ruft unwillkürlich den Gedanken an seinen Zu¬ 
sammensturz wach. Dieser Gedanke ist normalerweise 
eine bloße Fiktion (Annahme) ; zu einem solchen Urteil 
hegt kein Anlaß vor, der Turm stürzt ja in Wirklichkeit
        

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