Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über das optische Formgefühl. Ein Beitrag zur Ästhetik
Person:
Vischer, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39646/7/
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Form der allgemein abstrakten Abschnitte nicht sympathisiren will, eine 
selbständige Ueberzeugung ermöglichen. Besonders die Stelle über die 
»symbolischen Grundformationen für die Leibreize« * schien mir 
ästhetisch verwerthbar. Hier wird nachgewiesen, wie der Leib im 
Traum auf gewisse Reize hin an räumlichen Formen sich selber objek- 
tivirt. Es ist also ein unbewusstes Versetzen der eigenen Leibform und 
hiemit auch der Seele in die Objektsform. Hieraus ergab sich mir der 
Begriff, den ich Einfühlung nenne. Bald aber sah ich ein, dass hiemit 
nur ein Theil der Formsymbolik erklärt würde, dass die Wirkung des 
Lichtes, der Farbe und die Wirkung der blossen Umrisse, der reinen 
Linie nicht als eine Einfühlung bezeichnet werden, sondern dass hier 
nur eine unmittelbare Fortsetzung der äusseren Sensation in eine in¬ 
nere, eine unmittelbare geistige Sublimation der sinnlichen Erregung 
angenommen werden kann. Zugleich wurde ich auf den durchgreifen¬ 
den Unterschied von sensitiven und motorischen Reizen aufmerksam. 
Diesen Unterschied stellte ich hierauf als Grundschema an die Spitze 
und halte hiernach eine sensitive Zufühlung und motorische ' Nachfüh¬ 
lung, in analoger Weise eine sensitive und eine motorische Einfühlung ** 
immer streng auseinander. — Und in der Entwicklung dieser Begriffe 
war es nun mein Hauptbestreben, die geistige Erregung immer genau 
an und mit der leiblichen zu erklären. So unzulänglich auch die 
physiologischen Kenntnisse sind, die mir hiebei zu Gebote stehen, 
scheint mir dennoch die Art ihrer Anwendung selbständig und nicht 
* D. L. d. Tr. v. K. A. Schemer. S. 114. 
** Erst nach Abfassung dieser Arbeit wurde ich auf Lotzes Mikrokosmos (2, 
Band. Leipzig. 1869. S. 199) aufmerksam gemacht, wo ebenfalls, aber doch ohne 
systematische Yerwerthung, die Hede ist von einer „mitlebenden Versetzung“, 
welche mit einer „verallgemeinerten Erinnerung an die Regsamkeit unseres eigenen 
Körpers“ zusammenhängt. Die S. 200 gebrachten Beispiele passen zu unserem Be¬ 
griffe der motorischen Einfühlung.
        

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