Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über das optische Formgefühl. Ein Beitrag zur Ästhetik
Person:
Vischer, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39646/47/
Der Künstler. 
«»ein subjektiv genommen, beruht also die Phantasie, wenn wir 
das Resultat der erörterten Mischungstheile erwägen, auf einer war¬ 
men gegenseitigen Fühlung zwischen Sinn und Seele, auf einem ehr¬ 
lichen Bund derselben, worin beide identisch erscheinen, so dass man 
von einem seelenvollen Auge und einer augenhaften Seele sprechen 
möchte. — Beide sind freilich von Hause aus identisch; allein immer¬ 
hin hat sich die geistige Kraft mit dem Verlaufe ihrer Entwicklung 
der sinnlichen gegenüber gestellt und die Wiedervereinigung beider 
gelingt nur dem Künstler. Ein panthei'stischer Hang zu vollkommener 
Gestaltung liegt allerdings bereits im sinnlich unbewussten Leben, aber 
geweckt und am Einzelnen bewiesen kann er nur dadurch werden, 
dass die von der Idee der Vollkommenheit überzeugte und begeisterte 
Seele sich ganz und gar in ihre Sinnlichkeit einströmen lässt. — Das 
Wechselverhältniss zwischen Sinn und Seele ist also ein absolutes, so 
dass kein sinnlicher und kein abstrakter Rest abfällt. 
Auf dieser inneren Ganzheit beruht nun das eigenthümliche Talent 
des Künstlers zu collektiver Stoffbewältigung. Dem rein sinnlichen 
oder rein abstrakten Bewusstsein gelingt bei allem Fleisse doch nur 
ein sehr langsames Gombiniren, weil es jeden Stein aufheben und 
prüfen muss, auf den es treten will. Ist aber Eile nothwendig, so 
verzappelt man sich den Sprung durch Reflexion. Die künstlerische
        

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