Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über das optische Formgefühl. Ein Beitrag zur Ästhetik
Person:
Vischer, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39646/14/
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nicht sowohl um eine Harmonie im Objekt als um eine Harmonie zwi¬ 
schen Objekt und Subjekt, welche dadurch zu Stande kommt, dass das 
Objekt eine der subjektiven Harmonie entsprechende harmonische Form 
und Formwirkung besitzt. — Zuvörderst aber wollen wir uns näher 
mit den Begriffen Ruhe und Bewegung zurechtsetzen. Ruhe hat in 
Wahrheit nur das Gesetz als die feste Form, als der ideale Rahmen, 
innerhalb dessen die Bewegung vor sich geht. Dennoch kann ich ge¬ 
genüber dem passiven Vorgang einer sensitiven Funktion, d. h. einer 
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reinen Nervenfunktion, den aktiven Vorgang einer motorischen Nerven- 
funktion, d. h. einer Muskelbewegung, bewegt nennen und zwar vor 
Allem desshalb, weil jene auf einem ungleich bestimmteren und stär¬ 
keren Willensakte beruht. — Die ähnliche oder unähnliche Objektsform 
kann sich nun zu unserer Körperform sowohl wie zu den durch eben 
diese bedingten Bewegungsformen nur mit Hülfe von verhüllten oder 
offenbaren Bewegungsreizen, d. h. also durch Nerven- oder durch 
Muskelempfmdungen in Rapport setzen. 
Wenn wir nun Nerven und Muskeln unterscheiden, so ist damit 
natürlich nicht geleugnet, dass auch der Muskel Nerven hat und dass 
also im »Schauen« auch immer das »Sehen« implicite mitwirkt. Wenn 
ich weiterhin das physische Verhalten und Befinden bei sensitiven Rei¬ 
zen Zuempfindung und das bei motorischen Nachempfindung nenne, 
so muss gleicherweise diese jener eingeordnet werden. 
In erster Reihe für den Lichtsinn steht natürlich das Licht. Die 
Wirkung desselben beruht wie bekannt auf Bewegungen, Fluktuationen 
des Lichtäthers, die Farben Wirkung lediglich auf der verschiedenen 
Schnelligkeit dieser Bewegung, resp. auf längeren oder kürzeren Licht¬ 
wellen. Man hat nun unter Anderem die Annahme aufgestellt, dass 
das Auge drei verschiedene Arten lichtempfindender Nervengruppen 
besitze (roth, grün, violett, oder roth, grün, blau). * Wenn dies wahr 
ist, so wirkt also ein einfaches Licht, oder eine einfache, isolirte Farbe, 
* Wundt. Vorlesungen über Thier- und Menschenseele. S. 158.
        

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