Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ziele und Wege der Schallanalyse. Zwei Vorträge
Person:
Sievers, Eduard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39644/21/
17] Ziele und Wege der Schallanalyse. . 81 
nach außen gerichteten Taktstockendes mit der Tonrichtung zusammen, 
und manchmal ist sie ihr entgegengesetzt, derart, daß Niederschlag 
des Stockendes mit Steigton, Aufschlag aber mit Fallton zusammen¬ 
geht.1 * So haben z. B. die beiden Melodien Der Sang ist verschollen, 
der Wein ist verrauscht (Erk S. 285) und Hier sind wir versammelt zu 
löblichem Tun (Erk S. 244) beide U 4/4 und die gleiche Begleitkurve 
(Fig. 85) und doch ist die erste zugleich falltonig und fallkurvig, 
die zweite aber steigtonig, trotz der fallenden Kurve. Dieser Gegen¬ 
satz beruht auf einer typischen Verschiedenheit in der Art, wie der 
Taktstock bewegt wird. Bei der ersten Art wird der Taktstock 
«starr» gehalten, d. h. ohne besondere Mitwirkung von Hand- oder 
Fingergelenk lediglich durch die Bewegung des Arms derart durch 
den Raum geführt, daß er sich stets parallel bleibt und auch in 
gleichem Winkel zum Unterarm verharrt. 'Ende5 und 'Spitze* be¬ 
schreiben dann auch gleichsinnig die gleiche Figur, z. B. einen links- 
oder rechtsdrehenden Kreis, und der Stock schneidet in diesem Falle 
sozusagen einen Zylinder aus dem Raume heraus. Ich spreche 
in diesem Fall kurzerhand von «starrem Umleger». Im zweiten 
Fall aber, beim «wirbelnden Umleger», wird der Taktstock noch 
durch neu hinzutretende Ergänzungsbewegungen von Hand- und 
Fingergelenk derart um einen in seinen Innern gelegenen Dreh¬ 
punkt «herumgewirbelt», daß 'Ende5 und 'Spitze* in entgegen¬ 
gesetztem Sinne arbeiten (bei kreisender Bewegung umschreibt also 
z. B. der Taktstock statt des Zylinders im Raume einen Doppel¬ 
kegel, dessen gemeinschaftliche Spitze im Drehpunkt liegt). Im 
übrigen geht nun der starre Umleger in Beziehung auf die Ton¬ 
richtung mit dem Normalstimmer, während der wirbelnde Um¬ 
leger ihm konträr geht, also Fallbewegung mit Steigton kombiniert, 
und umgekehrt. 
Um diese scheinbare Merkwürdigkeit zu verstehen, wird es ge¬ 
nügen, darauf hinzuweisen, daß bei allem Dirigieren doch offenbar 
die Spitze des Taktstocks der eigentlich ausschlaggebende Faktor 
ist, nicht das dicke Ende, auch wenn dies (beim Umleger) nach vorn 
gerichtet ist. Da nun beim starren Umleger Ende und Spitze sich 
gleichsinnig bewegen, und diese Bewegung dieselbe ist wie beim 
Normalstimmer, so kann auch kein Gegensatz zur Tonrichtung ein- 
treten. Beim wirbelnden Umleger aber steigt die Spitze, während 
1 Hiernach ist das Eddalieder S. 172 f. Vorgetragene zu ergänzen bzw. zu 
berichtigen. 
Streitberg-Festschrift. 6
        

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